Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema „Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Gottorf“

Sven Krumbeck [PIRATEN]:

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute sprechen wir endlich wieder einmal über Kultur. Das finde ich schön und wichtig. Es freut mich sehr, dass es gleich um einen so wichtigen Punkt wie den Bericht des Stiftungsrats der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf geht. Ich freue mich darüber, dass dieser Bericht Gegenstand der Debatte im Landtag ist, auch wenn ich ihn aus zeitlichen Gründen lieber im Ausschuss gehört hätte.

Die Probleme, die der Stiftungsrat im vorliegenden Bericht zum Jahr 2011 beschreibt, kennen wir aus vielen anderen Bereichen auch. Ein strukturelles Defizit erschwert die Arbeit in den Einrichtungen. Kostensteigerungen durch Tarifanpassungen und eine allgemeine Inflationsrate können nicht ohne qualitative oder quantitative Einbußen ausgeglichen werden. Ich begrüße in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Beschluss der Landesregierung, an dieser Stelle Akzente zu setzen und den Topf für Investitionen zu erhöhen. Das ist ein gutes Signal an die Stiftung. Das ist ein wichtiges Signal für das Kulturland Schleswig-Holstein.

Diese Stiftung mit den unterschiedlichen Häusern ist gut. Super, dass es gelungen ist, auch das Freilichtmuseum Molfsee unter das Stiftungsdach zu holen. Es war seinerzeit eine richtige Entscheidung, das entsprechende Gesetz so zu formulieren, dass solche Erweiterungen bei Bedarf möglich sind.

Gleichzeitig gibt es Handlungsbedarf, denn nicht alle Standorte sind gesund. Rückläufige Besucherzahlen zeigen auf, dass an mancher Stelle nachgesteuert werden muss. Ich würde mich freuen, wenn wir als Parlament als Ratgeber auftreten und gemeinsam Ideen finden könnten, die dem Stiftungsrat helfen können.

Zunächst reklamiere ich für mich die Notwendigkeit, selbst noch viel lernen zu müssen. Aber manchmal ist ein unverstellter Blick auf die Dinge nicht verkehrt. Als Neuling im Kulturbereich stelle ich zunächst fest, dass die Besucherzahlen sehr unterschiedlich ausfallen, was gegebenenfalls auch mit den Zielgruppen zu tun hat. Bewegt sich das Wikingermuseum auf einem annehmbaren Niveau, ist der Einbruch in Schloss Gottorf seit 2008 eher dramatisch. Mehr als die Hälfte der Besucher hat das Schloss verloren. Ich denke, dass wir die Ursachen dafür noch näher beleuchten müssen. Der Handlungsbedarf ist aber unübersehbar und an dieser Stelle nicht allein mit einem finanziellen, strukturellen Defizit zu erklären.

Was kann anders, besser, vielleicht zielgenauer gemacht werden als bisher? Wenn ich mir den Bericht ansehe, stelle ich fest, es wird sehr viel über den spannenden Bereich der Archäologie dokumentiert. Da gibt es großartige Projekte. Was mir erfreulicherweise auffällt, ist, dass es insgesamt einen engen Zusammenhang zu Schleswig-Holstein gibt. Das ist gut so, denn der Stiftungszweck, der auf Seite 3 beschrieben wird, konzentriert sich auf das „Sammeln insbesondere der dinglichen Quellen kultureller Überlieferungen des Landes und der Region von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Damit ist der gesamte Bereich natürlich nicht nur für die Schleswig-Holsteiner interessant, sondern auch für die Menschen, die zu uns kommen, um dieses Land zu erleben und seiner Geschichte nachzuspüren.

Ich möchte mit dem, was ich im Folgenden sage, nicht falsch verstanden werden, denn es ist nicht meine Absicht, Vergangenes schlechtzureden oder Arbeitsfelder gegeneinander auszuspielen. Was ich aber vermisse, ist ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen der Archäologie und der Kunst- und Kulturgeschichte. Gibt es Möglichkeiten, hier nachzusteuern? Das Schloss muss mit seiner Archäologie und Kunst- und Kulturgeschichte insgesamt enger an den Stiftungszweck gekoppelt werden. Mir scheint der zweite Bereich nicht ausreichend abgebildet, nicht in dem Maße, wie ich es mir für den Bereich wünschen würde, damit er das Feld der Kunst- und Kulturgeschichte zu neuem Drive führt. Das heißt ja nicht, dass es hier keine Extravaganzen geben soll. Ich belege jetzt einmal diesen Bereich, der den sehr engen Bezug zu Schleswig-Holstein nicht hat, laienhaft mit diesem Begriff. Damit möchte ich keine Ausstellung und kein Projekt abwerten, aber sehr wohl die Frage stellen, ob all das, was wir aus dem Schloss kennen, immer zwingend dort hingehört oder ob es nicht auch prominent an einem anderen Ort gezeigt werden kann.

(Beifall PIRATEN)

Ich denke in Richtung neue Kooperationen zum Beispiel mit der Kunsthalle in Kiel. Auch über Kooperationen lassen sich Synergien entwickeln, ohne zwingend an Qualität sparen zu müssen. Vielleicht gibt es Chancen, auch über Verbesserungen im Bereich Kooperation und Öffnung zu sprechen, oder ich lasse mir erklären, warum solche Modelle der Stiftung nicht helfen können.

Sehr beachtlich finde ich die vielen unterschiedlichen Aktionen und Projekte rund um die Ausstellung. Die Arbeiten, vor allem im Bildungsbereich für junge Menschen, haben mich beeindruckt. Die wissenschaftlichen Tagungen und Projekte wie der Landmarkt sind wichtige Säulen, die Besucher anziehen. Wir dürfen dennoch nicht den Kern der Museen vernachlässigen, der die schleswig-holsteinische Kulturgeschichte widerspiegeln soll. Ich verstehe den Bericht als eine Einladung zum Gespräch. Das passt gut in die Aufbruchstimmung, die die Ministerin für Kultur in den letzten Wochen sehr eindringlich vermittelt hat. Die Stiftung Schleswig- Holsteinische Landesmuseen braucht diese Aufbruchstimmung, weil Qualität, guter Wille und hoher Einsatz allein nicht die Lösung für alle Probleme sind.

Ich danke für diesen ausführlichen Bericht. Er ist eine gute Grundlage dafür, an der kulturellen Zukunft des Landes in diesem Bereich zu arbeiten. Mein Dank geht an die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, die für diesen Bericht federführend tätig ist. Mein besonderer Dank richtet sich an dieser Stelle ausdrücklich an Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim stellvertretend für sein Team. Er hat der Stiftung in einem nicht zu unterschätzenden Maß zu Internationalität verholfen. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

 

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