Sven Krumbeck Blog

Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss in Schleswig-Holstein

Kleine Anfrage
des Abgeordneten Sven Krumbeck (Piraten)
und
Antwort
der Landesregierung – Ministerin für Bildung und Wissenschaft

Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss in Schleswig-Holstein

  1. Wie hat sich in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Schülerinnen und Schüler entwickelt, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen haben – absolut und prozentual – sowie aufgegliedert nach den Schularten, die die betroffenen Schülerinnen und Schüler besucht haben.
  2. Wie gliedern sich diese Zahlen nach dem Geschlecht der Schülerinnen und Schüler?
  3. Wie gliedern sich diese Zahlen nach Kindern mit und ohne Migrationshintergrund?

Antwort zu den Fragen 1 bis 3: Vgl. Anlage.

4. Welche Möglichkeiten haben diese Schülerinnen und Schüler, um einen Schul-abschluss nachzuholen?
Besitzt die Landesregierung Kenntnisse darüber, ob die betroffenen Schülerin- nen und Schüler von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht haben?
Wenn ja, wie sehen diese Erkenntnisse aus?

Antwort:
Die Bildungsgänge der berufsbildenden Schulen bieten Jugendlichen vielfältige Chancen zum nachträglichen Erwerb eines Hauptschulabschlusses. So kann der Hauptschulabschluss an den berufsbildenden Schulen in den Bildungsgängen nach § 1 Berufsschulverordnung (BSVO) erworben werden:

  1. in einem Ausbildungsverhältnis, in einer Umschulung oder in einer Qualifizierungsmaßnahme nach § 23 Abs. 5 Satz 2 SchulG,
  2. in einem Ausbildungsverhältnis oder in einer Umschulung mit dem zusätzlichen Ziel des Erwerbs der Fachhochschulreife,
  3. im Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) mit Ausbildungszusage,
  4. im Ausbildungsvorbereitenden Jahr (AVJ),
  5. in berufsvorbereitenden Maßnahmen und
  6. in einer Berufseingangsklasse (BEK).

Der nachfolgenden Tabelle ist zu entnehmen, in welchem Umfang Jugendliche von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht haben.

Tabelle: Erworbene Hauptschulabschlüsse in den Bildungsgängen:

Art des AbschlussesSchulart/Bildungsgang20102011
Hauptschul- oder gleichwertiger AbschlussJugendliche mit Ausbildungsverhältnis325268
Jugendliche im BGJ23
Jugendliche im AVJ477532
Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen350350
Jugendliche ohne Ausbildung/BEK63107
zusammen1.2171.260

Im Vergleich ist festzustellen, dass im Jahr 2011 2.143 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen und die Förderzentren ohne einen Hauptschulabschluss verlassen haben; zum selben Zeitpunkt erwarben 1.260 Schülerinnen und Schüler ihren Hauptschulabschluss nachträglich an einer berufsbildenden Schule.

5. Welche Maßnahmen werden an Schulen ergriffen, um Schülerinnen und Schülern, die potentiell ohne Schulabschluss bleiben, einen Schulabschluss zu ermöglichen?

Antwort:
Schülerinnen und Schüler, deren schulische Leistungen erkennen lassen, dass sie den Hauptschulabschluss voraussichtlich nicht erreichen, werden zunächst im Rahmen der individuellen schulischen Förderung besonders unterstützt. Nach § 42 und 43 SchulG haben diese Schülerinnen und Schüler auch die Möglichkeit, in einer Flexiblen Übergangsphase auf den Hauptschulabschluss vorbereitet zu werden. Sie können so die achte und neunte Jahrgangsstufe in drei Jahren durchlaufen. Zudem hat Schleswig-Holstein mit dem ESF-geförderten Programm Handlungskonzept Schule & Arbeitswelt alle diese schulischen Maßnahmen seit 2006 dadurch erfolgreich ergänzt, dass abbruchgefährdete Schülerinnen und Schüler durch Coaching, eine stärkenorientierten Kompetenzfeststellung, Berufsfelderprobungen und Qualifizierungen gezielt unterstützt und gefördert worden sind. Der Anteil an jungen Erwachsenen ohne Hauptschulabschluss an allen Schulabgängerinnen und Schulabgängern konnte somit in Schleswig-Holstein deutlich reduziert werden (siehe Antwort auf Frage 1).
Des Weiteren haben insbesondere die folgenden Maßnahmen zum Ziel, auch die Zahl der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss weiter zu verringern und diesen Jugendlichen einen erfolgreichen Bildungs-, Berufs- und damit Lebensweg zu ermöglichen:

  • Weiterentwicklung und Ausbau der Schulsozialarbeit
  • Weiterentwicklung und Ausbau der Ganztagsschulen
  • zentrale Abschlussprüfungen für den Haupt- und den Realschulabschluss inDeutsch, Mathematik und Englisch
  • Qualitätssicherung über Bildungsstandards
  • Längeres gemeinsames Lernen und verstärkte individuelle Förderung in mehrGemeinschaftsschulen
  • Schulische Berufsorientierung als Teil des gesetzlich verankerten schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags.

Das MBW unterstützt außerdem gemeinsam mit der Wirtschaft die Schulen und die Schulabgängerinnen und Schulabgänger dabei, auch über eine betriebliche Ausbildung einen Abschluss zu erreichen. Sie wirbt an den allgemeinbildenden Schulen und Förderzentren seit dem Schuljahr 2011/12 mit dem Flyer für „schulische Abschlüsse in der dualen Berufsausbildung“
(http://www.schleswig-holstein.de/Bildung/DE/Service/Broschueren/Bildung/SchulischeAbschluesse__blob=publicationFile.pdf)

6. Plant die Landesregierung, die Anschlussmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss weiter zu optimieren?

Wenn ja, wie sehen diese Planungen aus?

Antwort:
Das für die kommende ESF-Förderperiode vorgesehene Anschlussprogramm Hand- lungskonzept PLuS (Praxis Lebensplanung und Schule) hat neben der Verringerung der Zahl von Schulabgängerinnen und Schulabgängern ohne Abschluss auch zum Ziel, den direkten Übergang der Schulabgängerinnen und Schulabgänger von der Schule in die Ausbildung zu befördern. Dies gilt auch für diejenigen ohne Schulabschluss. Durch die Umwandlung der Berufseingangsklassen zu einem dualisierten Vollzeitangebot soll im Anschluss an die allgemeinbildende Schule zudem der Anteil der Schülerinnen und Schüler erhöht werden, die im Rahmen dieses Bildungsgangs den Hauptschulabschluss erwerben. Ferner sollen durch die Dualisierung des Bildungsgangs die Startbedingungen der Jugendlichen zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung verbessert werden. Im Rahmen einer der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) erarbeiten zudem das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie, das Ministerium für Bildung und Wissenschaft und das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung Vorschläge zum „Übergang junger Menschen von der Schule in Ausbildung und Arbeit“, die mehr Jugendliche zu einem Hauptschulabschluss führen und sie erfolgreicher beim Übergang in eine Ausbildung unterstützen sollen.

Absolventen ohne Schulabschluss von öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen in Schleswig-Holstein nach Schulart, Geschlecht und Migrationshintergrund 

Absolventen 2012

Schulartinsg.in %männlichweiblichmit
Migrations-
hintergrund
ohne
Migrations-
hintergrund
Hauptschule59428,0335523977517
Realschule602,833426555
Regionalschule261,23206323
Gymnasium40,192204
Gesamtschule (1)90,424518
Gemeinschaftsschulen1748,211047019155
Förderzentren (2)1.25259,087784741261.126
Insgesamt2.1191001.2978222311.888
Absolventen insg.28.785-14.55714.2282.26026.525
Anteil der Absolventen
ohne Schulabschluss in %
7,36-8,915,7810,227,12

(1) einschl. Waldorfschulen, ab Schuljahr 2011/12 ausschließlich freie Waldorfschulen
(2) einschl. der Absolventen FöZ Lernen und Geistige Entwicklung 

Absolventen 2011

Schulartinsg.in %männlichweiblichmit
Migrations-
hintergrund
ohne
Migrations-
hintergrund
Hauptschule63729,7241222593544
Realschule743,454925767
Regionalschule00,000000
Gymnasium40,192204
Gesamtschule (1)30,141203
Gemeinschaftsschulen763,5540361066
Förderzentren (2)1.34962,958455041471.202
insgesamt2.143100,001.3497942571.886
Absolventen 2011 insg.29.430-14.97914.4512.39327.037
Anteil der Absolventen ohne
Schulabschluss in %
7,28-9,015,4910,746,98

(1) einschl. Waldorfschulen, ab Schuljahr 2011/12 ausschließlich freie Waldorfschulen
(2) einschl. der Absolventen FöZ Lernen und Geistige Entwicklung 

Absolventen 2010

Schulartinsg.in %männlichweiblichmit
Migrations-
hintergrund
ohne
Migrations-
hintergrund
Hauptschule67230,5241625689583
Realschule1074,8660471097
Regionalschule00,000000
Gymnasium20,090202
Gesamtschule (1)221,00157616
Gemeinschaftsschulen120,54102210
Förderzentren (2)1.38762,998475401591.228
insgesamt2.202100,001.3488542661.936
Absolventen 2010 insg.31.308-16.02915.2792.77028.538
Anteil der Absolventen ohne
Schulabschluss in %
7,03-8,415,599,606,78

(1) einschl. Waldorfschulen, ab Schuljahr 2011/12 ausschließlich freie Waldorfschulen
(2) einschl. der Absolventen FöZ Lernen und Geistige Entwicklung 

Absolventen 2009

Schulartinsg. in %männlichweiblichmit
Migrations-
hintergrund
ohne
Migrations-
hintergrund
Hauptschule60427,1536424092512
Realschule743,3341331163
Regionalschule00,000000
Gymnasium70,317043
Gesamtschule (1)341,531717034
Gemeinschaftsschulen50,222305
Förderzentren (2)1.50167,469405611601.341
insgesamt2.225100,001.3718542671.958
Absolventen 2009 insg.31.989-16.33715.6522.96529.024
Anteil der Absolventen ohne
Schulabschluss in %
6,96-8,395,469,016,75

(1) einschl. Waldorfschulen, ab Schuljahr 2011/12 ausschließlich freie Waldorfschulen
(2) einschl. der Absolventen FöZ Lernen und Geistige Entwicklung 

Absolventen 2008

Schulartinsg.in %männlichweiblichmit
Migrations-
hintergrund
ohne
Migrations-
hintergrund
Hauptschule84131,25509332127714
Realschule1505,57935717133
Regionalschule00,000000
Gymnasium130,485858
Gesamtschule (1)501,862921545
Gemeinschaftsschulen00,000000
Förderzentren (2)1.63760,831.0395981771.460
insgesamt2.691100,001.6751.0163312.360
Absolventen 2008 insg.31.289-15.99715.2923.45427.835
Anteil der Absolventen ohne
Schulabschluss in %
8,6010,476,649,588,48

(1) einschl. Waldorfschulen, ab Schuljahr 2011/12 ausschließlich freie Waldorfschulen
(2) einschl. der Absolventen FöZ Lernen und Geistige Entwicklung 

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