Sven Krumbeck Blog

Rede zum, Thema: Gründung einer „Eliteschule des Sports“

Sven Krumbeck [PIRATEN]:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag der CDU-Fraktion ist die direkte Konsequenz aus den Ankündigungen von Herrn Minister Breitner aus dem letzten Jahr, als er zum einen eine Profilquote bei der Hochschulzulassung zum anderen die Eliteschulen des Sports ankündigte. Die Profilquote haben wir schon behandelt. Dass wir nun die Eliteschulen des Sports ebenfalls auf der Agenda haben, ist folgerichtig. Das haben die Kolleginnen und Kollegen der CDU sehr stringent in der Begrün- dung zu dem Antrag entwickelt. Gut, dass wir diesen Antrag endlich behandeln. Er stand schon auf der Tagesordnung für die 10. Tagung. Da sind wir – was die Schnelligkeit angeht – sportlich nicht unbedingt an der Spitze. Aber gut Ding will Weile haben. Ich bin froh, dass wir detailliert informiert werden sollen.
Der Minister hat in seinem Bericht eine Bestandsaufnahme vorgelegt, mehr nicht. Das ist nicht viel, angesichts der vollmundigen und mutigen Ankündigungen aus dem letzten Jahr. Das ist aber genug, um hier und später im Ausschuss vertieft darüber zu sprechen.
Denn ich gebe zu, dass die Eliteschulen des Sports bei mir durchaus auch Bauchgrummeln verursachen. Lieber Kollege Weber, aber Bauchgrummeln führt nicht zwingend zum Umfallen. Sie sehen, ich stehe noch.

(Heiterkeit und Beifall PIRATEN)

Das Bauchgrummeln hat seine Ursache. Zum einen haben wir eine natürliche Skepsis gegenüber dem Begriff der Elitenbildung bereits im Schulalter. Wir wollen Kinder individuell fördern entsprechend ihren Stärken, Neigungen und Talenten, und wir wollen ihnen dort helfen, wo sie Unterstützung brauchen. Den Begriff der Elite höre ich nicht so gern, weil wir nicht selektieren, sondern das gemeinsame Lernen in den Vordergrund stellen wollen.

(Zuruf Beate Raudies [SPD])

Andererseits ist natürlich auch eine außergewöhnliche sportliche Begabung eine Stärke und ein Talent, das förderungswürdig ist und besondere Bedingungen benötigt, um voll ausgeschöpft zu werden.
Wie sehen diese Bedingungen nun aus? Wie sieht es aus mit der Anzahl der förderungswürdigen Kaderathleten in Schleswig-Holstein? Welche Zugangsvoraussetzungen sollen gelten? Welche Klassenstufen sind geplant? Welcher Voraussetzungen bedarf es hinsichtlich der Mensen und sportlergerechtem Essen? Wie sieht es aus mit der Unterbringung der Schülerinnen und Schüler; brauchen wir ein Internat? Was machen der Ganztagsbetrieb, die pädagogisch betreuten Arbeitszeiten? Welche Abschlüsse werden erreichbar sein? Die Liste der Fragen ist lang, und wir haben viel zu besprechen.
Besonders wichtig sind mir in diesem Zusammenhang die Fragen nach den Finanzierungsmöglichkeiten und dem räumlichen Bedarf. Die PIRATEN beobachten sehr sorgfältig die Entwicklung an den Schulstandorten, gerade dort, wo Schulen in Existenznot geraten, weil ihnen die Schüler ausgehen. Wir sehen die Sorgen der Schulträger, die investiert und Angst vor Investitionen in erheblichem Ausmaß haben.
Dass bei der Gründung einer Eliteschule des Sports Investitionen nötig werden, steht wohl außer Frage. Ich möchte gern noch einmal ausführlicher darüber informiert werden, welche Kosten diese Investitionen generieren und wer sie am Ende trägt.
Ein weiterer finanziell relevanter Punkt ist für mich erheblich. Wo kommen die vielen Lehrerstellen dafür her? Es ist an dieser Stelle schon bemerkenswert, dass ausgerechnet Teile der Opposition jede Planstelle, die an Gesamtschuloberstufen geht, akribisch nachzählen, an dieser Stelle aber recht entspannt argumentieren.

(Beifall Uli König [PIRATEN] und Thomas Rother [SPD])

Auch der Geschäftsführer des Leistungssports im Landessportverband, Thomas Behr, wird im „sh:z“ mit der Anmerkung zitiert, dass das ganze Projekt nur Sinn mache, wenn das Bildungsministerium auch die notwendigen Planstellen bereitstellen werde. Ich spreche nicht gegen den Plan, ich will aber wissen, wie viele Lehrer wir bewegen und wo sie herkommen, denn im Angesicht eines massiven strukturellen Defizits im Lehrerbereich fällt die Einrichtung einer Eliteschule des Sports schon fast unter den Begriff Luxus. Eine Luxuseinrichtung habe ich ehrlicherweise in einer Zeit der Sicherung des Unterrichtsangebots in der Fläche und einer endlich erfolgen müssenden Entlastung unserer Lehrkräfte insgesamt nicht auf der politischen Tagesordnung.
Ich betone es aber gern noch einmal: Das ist meine eigene Betrachtungsweise. Ich selbst bin Absolvent mindestens einer Partnerschule des Leistungssports, nämlich der Gemeinschaftsschule Friedrichsort. Daher gehört es sich einfach, dass ich mich umfassend informiere, um gegebenenfalls die Einrichtung einer sportlichen Eliteschule aufrichtig unterstützen zu können. Schließlich stellt Schleswig-Holstein – was die bessere Förderung angeht – einen weißen Punkt auf der bundesweiten Landkarte dar. Wir müssen nicht jeden Trend mitmachen, wenn etwas aber richtig und wichtig und vor allem machbar ist, dann sollten wir dabei sein. Da stimme ich Herrn Minister Breitner vom Grundsatz her zu.

(Beifall PIRATEN und SSW)

Ich freue mich darauf, das Projekt weiter in den Ausschüssen zu beraten. – Danke.

(Beifall PIRATEN, vereinzelt SPD, BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Beifall Barbara Ostmeier [CDU])

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