Sven Krumbeck Blog

Grußwort auf dem IVL Bildungskongress 2013

Grußwort des bildungspolitischen Sprechers der
Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag,
Sven Krumbeck, MdL
anlässlich des IVL-Kongresses
„Neues Schulgesetz – wo bleiben Bildung und Erziehung?“
am 26. November 2013, Aukrug

Sehr geehrte Frau Rhenius,
sehr geehrter Herr Professor Neumann,
sehr geehrte Damen und Herren,

„Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen“ – das sagte Robert Frost und ich bin in den zurückliegenden Monaten zu der Überzeugung gekommen, dass wir uns alle diese Bildung zuschreiben können, denn wir haben den Bildungsdialog zum Schulgesetz verfolgt und sind trotzdem noch in der Lage, hier in Ruhe und voller Selbstvertrauen zusammen zu kommen und das ist gut so.

Ich habe mich ehrlich über die Einladung gefreut. Noch scheue ich mich nicht davor, das konstruktive Gespräch zu suchen, auch wenn ich mit meinem Gegenüber nicht in allen Punkten übereinstimme. Frau Rhenius – Sie waren, wie die anderen Lehrerverbände auch, so freundlich, uns im Rahmen von Gesprächen und Aktionen im parlamentarischen Betrieb ratgebend zur Seite zu stehen. Dafür danke ich sehr herzlich, denn eins ist mal klar: die Herausforderungen im Bildungsland Schleswig-Holstein sind riesengroß und kein Mensch traut dieser Landesregierung zu, die Unterrichtssituation zu verbessern. Das traut man übrigens auch der Opposition nicht zu. Das führt dann dazu, dass wir über das strukturelle Defizit nicht mehr reden, aber das ist falsch. Ich habe gelernt, dass wir die Rahmenbedingungen für die Inhalte bereiten müssen und nicht umgekehrt.
Wir müssen das in der richtigen Reihenfolge machen, damit Bildung und Erziehung eben nicht, wie die IVL in ihrer neuesten Mitgliederzeitschrift titelt, auf der Strecke bleiben.
Schulen brauchen auch Ruhe und Kontinuität, um pädagogisch gut zu arbeiten. All das ist in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen.
Vielleicht auch, weil oft nur auf Zuruf gearbeitet wird.

Hätte es unsere Große Anfrage zur Lehrerbedarfsprognose nicht gegeben, wären viele Mängel nicht aufgedeckt worden, hätte es keine Nachbesserungen, zum Beispiel für junge Lehrer gegeben, wäre eine strategische Personalplanung nie auf die politische Tagesordnung gekommen, obwohl ich immer noch im Zweifel darüber bin, dass es sie wirklich gibt, diese Personalstrategie. Fürsorge muss betrieben werden, für Schulen und alle, die daran beteiligt sind.
Es muss sich um Bedürfnisse gekümmert werden, denn Schule ist lange nicht mehr ein Paket, das man von oben verordnen kann. Bildung und Erziehung muss gewollt sein und gelebt werden. Dafür brauchen Schulen angemessene Rahmenbedingungen.

Ich stelle mich jetzt nicht hier hin und verspreche, mich für 1000 zusätzliche Stellen einzusetzen. Das wäre bildungspolitisch richtig und wünschenswert, aber finanzpolitisch nicht durchsetzbar. Ich stelle mich aber hier hin und verspreche, mich für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Entscheidungen in den Schulen und mehr Ruhe an der Bildungsfront stark zu machen.

Wenn wir am kommenden Donnerstag nach dem „Vorschaltgesetz“ die Anhörung zum „Restschulgesetz“ im Bildungsausschuss durchführen, werden wir hören, was auch Lehrerverbände zu sagen haben. Wenn die Landesregierung sich hier wieder komplett verschließt, werden wir auch dieses Gesetz ablehnen, so wie wir das Vorschaltgesetz abgelehnt haben.
Nicht weil wir das als Nicht-Regierungsfraktion das so machen müssen, sondern weil wir gelernt haben.
Wir haben gelernt, dass man immer einen fundierten Masterplan braucht, gestützt auf ehrliche Zahlen und belastbare Erfahrungen. Wir haben gelernt, dass sich ein gutes Schulgesetz nicht daran ablesen lässt, ob es sich gut auf Papier drucken lässt, sondern daran, ob es in der Praxis Taug hat. Wir haben gelernt, dass man Bildungspolitik nicht gegen die Betroffenen machen kann. Und wir haben gelernt, dass ein Dialog immer ein gleichberechtigter Informationsaustausch ist.
Wer am Anfang schon weiß, was am Ende herauskommt, der führt keinen Dialog, sondern bestimmt von oben nach unten und das ist nicht die Vorstellung von Politik, wie wir Piraten sie haben.
Ja, wir wurden, was die Bildungspolitik angeht, desillusioniert. Wir alle wurden ausgebremst von einer unzureichenden Lehrerversorgung, von sinkenden Schülerzahlen und zu wenig Kohle. Diese Hemmnisse müssen wir mitdenken, die dürfen wir, wenn wir gestalten wollen, nicht ausblenden.

Wir müssen in vielen Bereichen umdenken und in anderen unsere Gesprächspartner bitten, sich auf uns und unsere Ideen einzulassen. Wir müssen das im gegenseitigen Respekt und in der Anerkennung der Leistung des anderen tun. Das wäre eine gute Basis für gute Gespräche. Lassen Sie uns diesen Umgang pflegen und gute Vorschläge für gute Schule machen, damit Bildung und Erziehung eben nicht auf der Strecke bleiben.

 

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