Sven Krumbeck Blog

Rede zum Erhalt von Förderzentren

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich erinnere mich noch gut an eine der letzten Bildungsausschusssitzungen. Ganz zum Schluss freute sich Frau Erdmann als Ausschussvorsitzende herzlich darüber, uns eine gute Nachricht mitteilen zu können: Das Förderzentrum Kropp wurde mit dem Jakob-Muth-Preis ausgezeichnet.

(Beifall PIRATEN, vereinzelt CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Es hagelte Pressemitteilungen der Glückwünsche. Man war richtig stolz darauf, so eine Schule im Land zu haben, eine Schule, die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, sie respektvoll zu behandeln und niemanden zurückzulassen.

Liebe Frau Klahn, hätten Sie diese Resolution vor einigen Wochen in den Landtag eingebracht, hätte ich mich vielleicht zurückhaltender eingelassen, als ich es heute tue. Die letzte Landtagssitzung und die Debatte um die Bemerkung der Bildungsministerin haben mich aber aufmerksam werden lassen. Daher freue ich mich heute über beide Initiativen, die wir vorliegen haben und die ausdrücklich den Wert der Förderzentren unterstreichen. Ich teile meine Freude sicher auch mit dem Schulleiter des Förderzentrums Kropp, der ausdrücklich öffentlich für den Erhalt der Förderzentren eingetreten ist. Für ihn nämlich sind Förderzentren als Anlaufstelle und Wissenspool unverzichtbar. Seine schülerlose, ausgezeichnete Schule in Kropp bietet eine Fachbibliothek, ein Testcenter, Arbeitsmaterialien für Schüler mit unterschiedlichen Behinderungen sowie Fachräume, in denen Lehrkräfte mit lernschwachen oder sinnesbehinderten Kindern arbeiten können.

Gerade durch die von der Bildungsministerin losgetretene Debatte über die Wertschätzung der Arbeit in Förderzentren mit oder ohne Schüler haben uns alle zahlreiche Anrufe, Briefe und Mails erreicht, in denen man sich für die Förderzentren starkgemacht hat. Das waren offizielle Schreiben von Lehrerverbänden, aber auch sehr persönliche Mitteilungen von Schülern aus den Förderzentren, die sich für ihre Schule starkgemacht haben. Sie sahen sich dazu verpflichtet, weil sie selbst der beste aller Gründe für den Bestand der Förderzentren sind. Sie sind der beste Beweis, weil sie erfolgreich sind. Sie wurden erfolgreich beschult und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung so begleitet, dass sie sich trauen, heute für ihre Schulen in die Bresche zu springen und sich öffentlich zu bekennen, wo die zuständige Bildungsministerin diese Schulen, die auch gern einmal einen Preis feiern, aus Versehen auch gern einmal diskreditiert.

Ich persönlich sage immer wieder gern: Ich möchte eine Schule für alle Kinder. Ich wünschte mir, wir wären 20 Jahre weiter in unseren Inklusionsbemühungen. Fakt ist aber, dass viele Menschen Inklusion in der Schule in diesem Land als gescheitert bewerten. Alles muss neu aufgebaut werden, und alle hoffen auf das große Konzept der Ministerin im nächsten Monat. Daher ist es sinnvoll, beide Anträge im großen Zusammenhang mit diesem Konzept zu diskutieren. Ich selbst möchte, bezugnehmend auf den Antrag der Mehrheitsfraktionen, die Beratungen zum Lehramt Sonderpädagogik im Ausschuss abwarten, bevor ich anfange zu jubeln. Das wird jeder, der in den letzten Tagen auf Sachlichkeit gedrängt hat, verstehen.

Ich selbst glaube dieser Landesregierung nicht mehr so recht, dass sie die verbesserten Arbeitsbedingungen für Lehrer insgesamt erreicht, dass sie mehr Sonderpädagogen einstellen wird. Wer meint, dass die Last zu wuppen ist, je besser sie auf mehrere Schultern verteilt wird, der wird vermutlich enttäuscht werden. Diese Landesregierung hat sich bisher dadurch ausgezeichnet, dass sie der Schule von oben immer mehr Aufgaben überstülpt und ohne ausreichende Finanzierung verordnet, dieser aber gleichzeitig unten das Fundament wegbricht.

Gerade deshalb ist es so wichtig, die Förderzentren nachhaltig abzusichern. Ich lasse mich dabei auch gern positiv überraschen. In diesem Zusammenhang möchte ich die Ministerin an das angekündigte Gespräch mit den pädagogischen Mitarbeitern erinnern. Dazu gab es noch keinen Terminvorschlag. Das darf nicht in Vergessenheit geraten. Darum erinnere ich daran. Auch das gehört in diesen Zusammenhang.

Deswegen beantrage ich Ausschussüberweisung für beide Anträge und hoffe auf eine gute Diskussion dazu im Ausschuss.

(Vereinzelter Beifall PIRATEN, CDU und SSW)

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