Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema „Transparente und verbraucherfreundliche Kennzeichnung von Herkunft und Haltungsform bei tierischen Lebensmitteln

Überraschung!

(Heiterkeit und Beifall)

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

(Serpil Midyatli [SPD]: Wessen Rede ist das?)

– Ich halte heute hier eine Rede für uns PIRATEN und für die Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Land.

(Beifall PIRATEN)

Mit Blick auf Drucksache 18/807 aus dem Juni 2013, Endlich mehr Sicherheit für Verbraucher, dürfte klar sein, dass wir PIRATEN gar nicht anders können, als dem nun von der Koalition vorgelegten Antrag zuzustimmen.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

– Das Wichtigste ist jetzt schon einmal erledigt.

Einerseits freut es mich, dass Sie eine bessere Kennzeichnung für Lebensmittel fordern, denn genau das wollen wir PIRATEN ja auch. Andererseits bin ich angesichts Ihres Antrags aber auch etwas bedröppelt darüber, wie Sie unseren Antrag für eine bessere Kennzeichnung von tierischen Lebensmitteln im letzten Jahr behandelt haben.

Ich rufe Ihnen noch einmal in Erinnerung, worum es in unserem Antrag, Endlich mehr Sicherheit für Verbraucher, ging. Wir haben darin gefordert, dass Verbraucher, die aus welchem Grund auch immer Wert auf eine vegane oder vegetarische Ernährung legen, auf einen Blick feststellen können, ob ein Lebensmittel tierische Bestandteile enthält oder nicht. Dem haben Sie sich damals zwar nicht direkt verschlossen, Sie haben sich allerdings dagegen gewehrt, mit diesem Anliegen an den Bundesrat her- anzutreten. Stattdessen wollten Sie das allein über die EU regeln. Das war im letzten Jahr der einzige Grund, dass Sie unseren Antrag abgelehnt und stattdessen für Ihren eigenen Änderungsantrag gestimmt haben.

Von unserem Einwand, dass die EU die Kennzeichnung tierischer Lebensmittel lediglich auf freiwilliger Basis vornehmen möchte – was völlig witzlos ist, weil man das ohnehin jetzt schon kann -, wollten Sie damals nichts wissen.

Und jetzt kommt, warum ich bedröppelt bin: In dem heute von Ihnen vorgelegten Antrag ist der Bundesrat plötzlich wieder mit drin. Wie kommt das nur?

(Beifall PIRATEN)

Aber weil wir PIRATEN da anders sind und uns unsere Glaubwürdigkeit wichtiger als unsere Eitelkeit ist, lassen wir heute einmal alle Fünfe gerade sein und stimmen Ihrem Antrag aus inhaltlichen Gründen zu.

(Beifall PIRATEN und Kirsten Eickhoff-Weber [SPD])

Da das Thema Tierhaltung ein wirklich wichtiges Thema ist, möchte ich auch dazu noch ein paar Worte sagen. Ich finde es unwürdig, wie wir unsere Mitgeschöpfe behandeln, nur damit das Fleisch im Kühlregal noch einmal ein paar Cent billiger wird. Das bei „spiegel-online“ abrufbare Video „Tierschützer decken auf: Katastrophale Zustände in Mastanlagen“ zeigt, was die schlimmsten Auswüchse dessen sind, was wir uns in unserem Wahn, immer billiger und effizienter zu produzieren, herangezüchtet haben. Dazu gehören etwa Puten, die jeden Tag 150 g an Muskelmasse zulegen müssen. Diese Qualzucht ist so unnatürlich, dass die Knochen der Tiere mit der Gewichtszunahme nicht mehr mitwachsen können. Mit ihren Geschwülsten und blutigen Blasen am Brustfleisch sehen diese Tiere so eklig aus, dass sie – glaube ich – niemand mehr essen würde.

Einmal davon abgesehen, wie wir mit den Tieren umgehen und wie wir ihre Bedürfnisse mit Füßen treten, am Ende fällt das auch auf uns zurück. Wir schädigen mit diesen Haltungsmethoden das Klima, die Böden und das Wasser. Und uns fehlen die Flächen für den Anbau ihres Futters, deswegen impor- tieren wir wieder Soja. Damit wiederum tragen wir auch indirekt zur Zerstörung der tropischen Regenwälder bei. Schließlich bringen wir damit sogar uns selbst und unsere Gesundheit in Gefahr, weil die antibiotikaresistenten Keime immer und überall zunehmen. Ich finde, dass man daher die industrielle Form der Tiermast im Grunde verbieten müsste.

(Beifall PIRATEN)

Wir PIRATEN stehen allerdings auch dafür, die Verbraucher nicht zu bevormunden. Bevor wir ein Verbot aussprechen, wollen wir zuerst dafür sorgen, dass die Verbraucher eine Wahlmöglichkeit haben. Wählen und einen Unterschied machen kann ich als Konsument nur dann, wenn ich weiß, was ich da überhaupt kaufe.

Da Sie sich in Ihrem Antrag an diesen Grundsatz halten, kann das nur unsere Zustimmung finden. Vielleicht sind Sie auch noch so großzügig, wenn Sie sich mit Ihrem Antrag an den Bundesrat wenden, auch unseren Antrag mitzunehmen. Die Öffentlichkeit wird ohnehin nicht mitbekommen, dass das unsere Idee war. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN)

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