Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema: „Erhebung der Arbeitszeiten an Schulen“

Sven Krumbeck [PIRATEN]:

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, seit wie vielen Jahrzehnten die Lehrerinnen und Lehrer die stetig wachsenden Aufgaben reklamieren, die sie in den Schulen zu bewältigen haben, neue Aufgaben, die im großen Maße von der Politik vorgegeben werden. Bildungspolitisch nimmt man das immer zur Kenntnis. Eine neuerliche Auseinandersetzung damit wird es aber nach der letzten Bildungsausschusssitzung nicht geben, weil die Mehrheit Zweifel hat. Zu viel Aufwand, zu teuer, das waren Argumente dagegen. Abenteuerlicher wurde der Kollege Herr Vogel, als er anführte, dass Nachdenken über Schule beim Blumengießen systematisch schwerer- fassbar sei. Das war nicht nur an den Haaren herbeigeholt,

(Zurufe SPD: Nein!)

sondern es geht vor allem am Thema vorbei. Es geht doch nicht nur um die Frage der Unterrichtsverpflichtung, der Frage der der Vor- und Nachbereitung. Es geht auch um die Aufgaben, die wir den Lehrern zusätzlich zumuten,

(Zuruf Serpil Midyatli [SPD])

wenn wir zum Beispiel – wohl überlegt – die Erstel- lung von Entwicklungsberichten einfordern. Es geht auch zunehmend um Erkenntnisse darüber, was die Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich leisten, was nur mittelbar mit ihren pädagogischen Aufgaben zu tun hat. Ich nenne hier zum Beispiel die Systemadministration. Fragen Sie einmal in großen Berufsbildungszentren nach, welche Arbeit die Kollegen in diesem Bereich dort leisten. Ich habe dazu einen guten Eindruck in einem großen BBZ gewonnen und eine Kleine Anfrage dazu gestellt. Leider sind Admins keine Lehrer. Darum weiß die Regierung auch nichts darüber. Und es interessiert sie auch nicht. Das mag strukturpolitisch stimmen, bildungspolitisch hält diese Vogelstraußpolitik aber nicht durch. In dem von mir besuchten BBZ gibt es keinen einzigen Systemadministrator. Den mimt dort ein Lehrer nebenbei – Autodidakt. Die Mehrheit im Bildungsausschuss findet, dass eine Untersuchung des neuesten Stands an dieser Stelle entbehrlich sei. Ich kann darüber nur staunen.

Schon 2012 hat die GEW eine Umfrage unter 700 Hamburger Lehrern durchgeführt. Dabei zeigte sich vor allem die Zeitfrage insgesamt als ein Problem. Konferenzen, steigender Abstimmungsbedarf mit Kollegen, Prüfungen, Vergleichsarbeiten und fehlende Pausen erzeugen Stress und treiben Lehrkräfte zunehmend ins Burnout. Gleichzeitig steigt der Stresspegel zusammen mit dem Krankheitsstand. Ein schlimmer Kreislauf, ein negativer Faktor bedingt den nächsten.

Darüber hinaus steigen auch die pädagogischen Aufgaben: Immer mehr Beratung, individuelle Betreuung, soziale Begleitung oder gesamtgesellschaftliche Fragen müssen von den Lehrern geleistet werden. Der Lehrer ist schon lange nicht mehr nur der Unterrichtende, er ist gleichzeitig auch Begleitender, Erziehender und Ratgeber für Schüler.

Die Fragen, die sich praktisch nahtlos an eine Arbeitszeiterhebung hätten anschließen können, wären gewesen: Welches Personal, welche Fachkräfte, welche multifunktionellen Teams braucht Schule heute? Wer bezahlt das, und wie kann das nachhaltig finanziell geregelt werden, wenn es um das System Personal in Schule geht? Es geht beim System Schule tatsächlich um mehr als nur Schulassistenten.

Ich hätte dieses Thema gern verfolgt. Die Kollegin Klahn und ich werden an diesem Thema dranbleiben, vielleicht einmal eine Promotion zu dem Thema an der Uni anstoßen. Ich denke, da geht noch etwas, trotz der Mehrheit im Ausschuss.

Ich danke Frau Klahn auch für ihren Änderungsantrag, dem wir sehr gern zustimmen werden.

(Beifall PIRATEN, CDU und FDP)

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