Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema: „Ergebnisse des Kulturdialogs der Landesregierung“

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst möchte auch ich mich bei der Frau Ministerin und Ihrem Team, vor allem aber auch bei allen ehrenamtlichen Teilnehmern des Kulturdialogs sehr herzlich für ihre Teilnahme und die tolle Arbeit beim Kulturdialog danken.

(Beifall PIRATEN)

Frau Spoorendonk, Ihnen und Ihrem Team merkt man eindeutig an, dass Sie für Kultur in diesem Land brennen und dass Ihnen die Kultur in diesem Land außerordentlich am Herzen liegt. Bitte verzeihen Sie mir aber, wenn ich den Kulturdialog nicht nur als Strategietreffen für die zukünftige Kulturpolitik im Land bezeichne.

Vielmehr habe ich mir beim kulturpolitischen Dialog insbesondere die Sorgen und Nöte der kulturpolitischen Akteure in diesem Land angehört. Trotz allem Triumph und Aufbruchgefühl, das durch den Kulturdialog entstanden ist, ist auch die Sorge geblieben. Die Sorge ist teilweise sogar noch angewachsen. Viele wichtige Themen wurden hier schon angesprochen. Insbesondere die musischen Fächer, aber auch die soziokulturellen Zentren haben sehr große Ängste um die Zukunft. Diese sind durch den Kulturdialog leider auch nicht aus der Welt geschaffen worden.

Zudem besteht große Sorge um das Geld. Nicht umsonst hat eine Zeitung getitelt: Viele Worte, wenig Geld. – Das war die Überschrift in einer schleswig-holsteinischen Tageszeitung, als es um die Kulturperspektiven ging.

Ich bin mir sehr sicher, dass viel miteinander gesprochen wurde. Das ist auch gut so. Es kamen viele Menschen ins Gespräch. Ich war selbst in großen Teilen mit dabei und kann sagen, dass die Stim- mung in großen Teilen gut war, abgesehen von den Sorgen, die ich vorhin erwähnt habe. Die Menschen haben das Angebot angenommen. Da will ich an dieser Stelle überhaupt nichts schlechtreden.

Die Kulturperspektiven aber, die das erste Ergebnis des Kulturdialogs sein sollten, waren für mich ernüchternd, weil im Land nach wie vor das Geld fehlt, um wirklich Großes umzusetzen und weil – das ist aus meiner Sicht ein handwerklicher Mangel – vieles einfach noch nicht spruchreif ist.

Ich möchte das an einem Beispiel festmachen. Es sollen Kulturknotenpunkte geschaffen werden. Was steckt hinter dieser Idee? Es sollen sich zum Beispiel Volkshochschulen oder Musikschulen um 20.000 € bewerben. Im Gegenzug sollen sie Kultur vermitteln, Netzwerke schaffen und für Kulturverbreitung sorgen.

Nun werden diese Einrichtungen, die personell ohnehin schon „Oberkante Unterlippe“ arbeiten, mit weiteren Aufgaben betraut, die sie vermutlich ohne zusätzliches Personal gar nicht wuppen könnten. Also geht die Aufgabeprämie zum Glück vielleicht mit einer halben Stelle drauf. Dann muss die Einrichtung wieder aus der eigenen Substanz heraus arbeiten. Wir wissen alle, wie gut diese Substanz ist. Daher fehlen mir der Glaube und konkrete Anhaltspunkte, dass die Kulturknotenpunkte wirklich den Effekt haben werden, den wir uns wünschen.

Ein Zweites kommt hinzu. Laut Antwort auf eine Kleine Anfrage von mir zu diesem Thema werden die Details erst jetzt erarbeitet. Wer kann denn überhaupt Kulturknotenpunkt werden? All das soll noch geklärt werden. Wenn man – wie die Regierung – der Überzeugung ist, dass Kulturknotenpunkte für die Fläche sinnvoll sind, den möchte ich ausdrücklich daran erinnern, dass es gerade in der Fläche Kulturvereine und -verbände gibt, die gut arbeiten.

(Marlies Fritzen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Die sollen sich vernetzen!)

Tun wir doch bitte nicht so, als hätte Schleswig- Holstein ein kulturloses Hinterland. Besuchen Sie zum Beispiel einmal die Mitgliedsvereine des SH- HB. Dann werden Sie sehen, dass in Teilen mehrere hundert Menschen zusammensitzen. Allerdings haben diese keine Chance, als Kulturknotenpunkt zu arbeiten, weil ihnen die professionelle Geschäftsstelle fehlt. Ich frage mich an dieser Stelle: Benachteiligen wir dadurch nicht das Ehrenamt? Diese Frage stelle ich mir ernsthaft. Ich gebe den Tipp ab, dass es vornehmlich die Volkshochschulen sein werden, die die Prämien erhalten. Mal sehen, ob ich Recht behalte.

Für eine gute Idee halte ich die Kontraktförderung. Wer vor zwei Jahren die Mühe auf sich genommen und zugehört hat, als Torge Schmidt hier unsere Haushaltsvorstellungen erläuterte, der wird sich daran erinnern, dass wir dafür waren, Einrichtungen, Vereine und Verbände über langfristige institutionalisierte Zuschüsse und den Abschluss von Zielvereinbarungen abzusichern. Das fanden wir damals richtig. Natürlich können wir der Kontraktforderung viel abgewinnen. Wir hätten uns aber transparente Kriterien gewünscht, die festlegen, wer in den Genuss der neu strukturierten Förderung kommen soll. Wer entscheidet wann und mit wem? Das alles liegt mir noch ein bisschen im Dunkeln.

Hier hätte ich aber gern etwas mehr Licht, um alles besser sehen zu können.

(Beifall PIRATEN)

Es gibt vieles, über das ich noch reden könnte. Die politische Einflussnahme auf die strukturelle kulturelle Entwicklung zum Beispiel macht mich stutzig. Ich habe Sorge, dass wir eine Zentralisierung von Kultur erhalten, die letztlich keinen Effekt hat. Für ein kulturell blühendes Land bedarf es mehr als das, was uns vorgelegt wurde. Ich hoffe, dass noch mehr hinterher kommt. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN und Anita Klahn [FDP])

 

0 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *