Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema Einrichtung von Jugendberufsagenturen


Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am 31. Oktober titelten die „Kieler Nachrichten“: Viel Beifall für Ernst Idee. Gemeint waren wohl die Erläuterungen der neuen Bildungsministerin zu den Jugendberufsagenturen. Die Ministerin möchte diese in Schleswig-Holstein möglich machen. Unter der Überschrift des Koalitionsantrags „Keinen Jugendlichen verlieren“ ist dies ein Ziel, das tatsächlich von allen getragen und unterstützt wird. Das kann man an dieser Stelle schon einmal festhalten.

Neu ist an diesem grundsätzlichen Ziel allerdings nichts. Bereits Frau Professorin Wende hatte das Thema in ihrem Haus bearbeiten lassen und einen Bericht vorgelegt, der informativ und ausführlich war und uns genau das mit auf den Weg gegeben hat, was wir bereits aus der breit angelegten Anhörung zu dem Thema erfahren haben, nämlich dass das, was im Stadtstaat Hamburg gut funktioniert, nicht einfach so auf Schleswig-Holstein übertragen werden kann.

Wir haben durch die Anhörung viele Informationen erhalten. Leider fehlt noch der Plan, wie wir konkret mit diesen Ergebnissen umgehen. Die Idee ist, Modellprojekte auszuschreiben. Das finde ich gut. Ich bin ausdrücklich froh darüber, dass wir auch im ländlichen Raum dazu ein Modell haben werden.

(Beifall Uli König [PIRATEN] und Heike Franzen [CDU])

Ich selbst hätte mir gewünscht, dass sich die Stadt beziehungsweise der Kreis freiwillig um die Erprobung hätten bewerben können. Das ist zwar nicht ausgeschlossen, aber die spannende Frage ist für mich und sicher auch für die in der Praxis Tätigen eher, wer die Träger der Jugendhilfe in dem neu zu schaffenden Gremium bestimmt und wer die Städte und Kreise aussucht. Ich wünsche mir an dieser Stelle eine echte Ausschreibung. Das würde nicht nur die Transparenz, sondern auch die Motivation fördern.

(Beifall PIRATEN)

Diese Motivation ist vorhanden, das wissen wir aus der Anhörung. Das konnte man zum Beispiel zu konkreten Kooperationsvereinbarungen zwischen den im Antrag genannten Akteuren in den Kreisen schwarz auf weiß lesen. Vor Ort scheint man hier viel weiter zu sein, als wir dies im Hohen Haus meinen. Dazu kommen noch einige offene Fragen, gerade mit Blick auf den Datenschutz und auf die Frage, was mit den Leuten passiert, die eigentlich gar nicht beglückt werden müssen, wie zum Beispiel diejenigen, die direkt nach der Schule einen Auslandsaufenthalt beginnen. Ich denke aber, dass wir dies im Rahmen des Modellversuchs noch klären werden.

(Beifall Uli König [PIRATEN])

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich selbst hätte auf ein neues steuerndes Gremium gern verzichtet, weil wir ein solches Gremium schon in dem Ausschuss für Land und Regionen zum Thema Übergang von der Schule in den Beruf haben. Er ist sogar vom Land selbst initiiert worden. Dieser Ausschuss ist kompetent und praxisnah besetzt und arbeitet schon.

Die Beratungsergebnisse dieses Ausschusses sollten Grundlage für alle Beratungen sein. Es ist auch nicht nachzuvollziehen, dass wir die Arbeit dieses Ausschusses hier einfach ignorieren. Darum fordern wir das mit den Kolleginnen und Kollegen der FDP-Fraktion noch einmal ein.

An dieser Stelle möchte ich allen, die in diesem Gremium konzentriert, engagiert und zielorientiert mitgearbeitet haben, danken.

(Beifall PIRATEN)

Präsident Klaus Schlie:

Herr Abgeordneter Krumbeck, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder -bemerkung der Frau Abgeordneten Strehlau?

Sven Krumbeck [PIRATEN]: Gerne.

Ines Strehlau [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Vielen Dank, Herr Krumbeck. – Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass in unserem Bericht unter Nummer eins der Satz zu finden ist: „Basis ist der Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe zum Übergang junger Menschen von der Schule in Ausbildung und Arbeit“. Auf dieses Gremium beziehen wir uns. Wir wollen es nicht ausblenden. Die Akteure, die Sie vorher finden, sind auch Mitglied in diesem Gremium. Wir haben das Rad nicht neu erfunden, sondern wir haben die schon bestehenden Ergebnisse eingebaut, geben aber natürlich der Frau Ministerin Spielraum für Weiterentwicklungen gemeinsam mit den Akteuren.

(Petra Nicolaisen [CDU]: Und damit hebeln Sie die Basis aus!)

– Liebe Frau Kollegin, es ist mir wichtig, dass gerade bei den Akteuren vor Ort nicht der Eindruck entsteht, dass das ganze System von oben übergestülpt wird und dass man die Arbeit, die bis jetzt vor Ort gemacht worden ist, komplett ignoriert und komplett entwertet.

(Beifall PIRATEN und FDP)

Dieser Eindruck besteht zum Teil in den Kommunen vor Ort. Dem müssen wir entgegenwirken. Deswegen müssen wir an dieser Stelle vielleicht doch noch einmal überlegen, wie wir das besser machen können.

Ich hätte mir gewünscht, diese Basis zu nutzen. Darum beantragen wir das auch gemeinsam mit der FDP. Wir haben alle das gleiche Ziel.

Ich freue mich darüber und hoffe, dass wir dieses Ziel schon bald noch konkreter, noch greifbarer und noch nützlicher für die jungen Leute ausgestalten können. Allen Unwegsamkeiten zum Trotz haben wir uns, wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, dazu entschieden, dem gemeinsamen Antrag der Koalition und der CDU am Ende aber doch noch unsere Zustimmung zu geben. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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