Sven Krumbeck Blog

Rede zu den Anträgen zu Schulnoten und Rechtschreibung an den Schulen

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Wenn man still steht, wird man schnell überrollt.“ – Diesen Satz von Lee Iacocca trifft in Bildungsfragen leider sehr oft auf zwei Fraktionen in diesem Landtag zu.

(Beifall PIRATEN, SSW und vereinzelt SPD)

Ich schätze die Kolleginnen und Kollegen aus beiden Fraktionen persönlich sehr, teile viele gute Gedanken und unterstütze auch gern gute Initiativen. Aber generell sind mir CDU und FDP, was die Gestaltung von Bildungspolitik angeht, einfach zu rückwärtsgewandt.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Das gilt natürlich gerade für die Anträge zum Thema: keine reformpädagogischen Experimente. Ich bin dem Bildungsausschuss sehr dankbar dafür, dass er beschlossen hat, zum Schrifterwerb in Grundschulen Expertenmeinungen einzuholen. Die haben deutlich gezeigt, dass die Befürchtung von Schwarz-Gelb an dieser Stelle unbegründet war. Darum lehnen wir auch die entsprechenden Anträge ab.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Schwieriger wird es da mit der Leistungsbewertung, für die die CDU heute einen Antrag vorgelegt hat. Die PIRATEN haben sich seinerzeit in einem eigenen Antrag zur Leistungsbewertung in den Grundschulen eindeutig zum Verzicht auf Noten bekannt. Der CDU-Antrag unterscheidet an dieser Stelle nicht zwischen den Schularten. In jeder Klassenstufe soll das Leistungsprinzip betont werden. Die CDU zeichnet in diesem Kontext einen direkten Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Leistungsbereitschaft. Die CDU ignoriert weiter, dass gerade dieses Druckszenario für die Kleinsten nicht geeignet ist, Freude am Lernen zu entfalten. Wenn nur Erfolge motivieren können, wie Sie richtig sagen, Frau Klahn, können Misserfolge demotivieren.

(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und Uli König [PIRATEN])

Sie ignorieren weiter, dass Lernerfolge sehr wohl unterschiedlicher Natur sein können, wenn wir die Heterogenität in den Klassen betrachten. Sie erkennen nicht an, dass eine integrative Schule nicht zu skalierenden Noten passt. Bei so viel Ignoranz kann wohl jeder verstehen, dass ich diesem Antrag so nicht zustimmen kann.

(Beifall SSW, vereinzelt SPD und BÜND- NIS 90/DIE GRÜNEN)

Tatsächlich erkenne ich aber an, dass wir, die wir auf Ziffernnoten in der Grundschule verzichten wollen, es bisher nicht geschafft haben, die Eltern mitzunehmen. Das müssen wir nachholen. Darum wollen wir gemeinsam mit den Regierungsfraktionen einen Erprobungszeitraum und eine Evaluation zum Thema beschließen, damit wir auch die letzten Skeptiker oder uns selbst eines Besseren belehren können, aber auf Grundlage von wissenschaftlichen Analysen.

(Beifall PIRATEN und Lars Harms [SSW])

Ich halte es an dieser Stelle mit der GEW, die sagt, dass auch eine große Mehrheit irren kann, vor allem dann, wenn diese Mehrheit in keiner Weise neue Möglichkeiten prüfen will. Ich sehe im Moment nicht, dass die CDU bereit ist, sich im Bereich kleine Grundschulen auf eine andere Lösung einzulassen als im Bereich der höheren Klassenstufen, bei denen ich mich auch im Hinblick auf die Ausbildungsreife ausdrücklich nicht festgelegt habe. Daher macht es für mich wenig Sinn, den vorliegenden Antrag zu Schulnoten im Ausschuss zu diskutieren. In der vorliegenden Form lehnen wir beide Anträge schon heute ab. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

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