Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema: „Entwicklung der Oberstufen an Gemeinschaftsschulen“

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Gemeinschaftsschule mit Oberstufe ist eigentlich das besonders reizvolle Lieblingsthema der etablierten Oppositionsfraktionen. Hier unterstellt man der Landesregierung Ideologie und Ausgabenwahn. Wir haben das immer und immer wieder gehört. Da ist es doch beachtlich, dass der Antrag auf einen mündlichen Bericht heute einmal von den Koalitionsfraktionen kommt.

(Beifall PIRATEN und Dr. Ralf Stegner [SPD])

Schon vor dem Bericht der Ministerin, für den ich mich an dieser Stelle bedanken möchte, war uns klar, dass der demografische Wandel auch die Entwicklung der Gemeinschaftsschulen beeinflusst.

In Ihrer Pressemitteilung vom 1. April 2015 macht die Landesregierung bereits deutlich, dass sich die Aufnahmezahlen regional sehr unterschiedlich darstellen und ein einheitliches Bild nicht ableitbar ist. Wir erkennen zwar, dass die Anmeldezahlen insgesamt leicht rückläufig sind, dass aber 50 % der Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe ihre Schülerzahlen haben ausbauen können, während die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe am stärksten unter dem Schülerrückgang zu leiden haben.

Ich ziehe für mich daraus den Schluss, dass die Oberstufe ein handfestes Entscheidungsmerkmal für Schüler und Eltern ist. Die Gewissheit, an der eigenen Schule auch Abitur ablegen zu können, ohne dafür auf eine Kooperationsschule wechseln zu müssen, ist offenbar ein guter Grund, sich im Zuge der freien Schule für eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe zu entscheiden. Ich bleibe weiter persönlich und sage ehrlich, dass ich das gut finde. Ich bin ein Fan der Gemeinschaftsschulen und wünsche mir viele gute, motivierte und strukturell komplette Gemeinschaftsschulen, wenn … – Und dieses Wenn macht vieles, das die Ministerin gesagt hat, in der Substanz unsicher. Ebenso fehlt in Ihrem Bericht, Frau Ministerin Ernst, wie in der von mir genannten relativ aktuellen Pressemitteilung jeder kapazitäre Vergleich mit den vorhandenen Gymnasien und den beruflichen Gymnasien.

Die Frage ist doch, ob wir es uns in Zeiten unzureichender personeller und finanzieller Ressourcen bei gleichzeitigem Schülerrückgang leisten können und dürfen, auf zusätzliche Oberstufen zu setzen, wenn die Kapazitäten an den Kooperationsschulen ausreichen würden.

(Beifall PIRATEN und vereinzelt CDU)

Dafür gibt es keine Datenvergleiche, keine echte Datenerhebung, denn die wäre nötig, um die Erfolgsbilanz der Gemeinschaftsschulen an der Realität zu messen. Ich fürchte, dass wir einen solchen Abgleich nie erhalten werden, weil er von entscheidender Stelle wieder einmal als allzu aufwendig eingestuft wird. Mir würde er tatsächlich helfen zu entscheiden, ob es richtig ist, in zusätzliche Oberstufen oder in Unterrichtsversorgung zu investieren.

Ich würde das Thema vor diesem Hintergrund auch gern im Zusammenhang mit dem landesweiten Schulentwicklungsplan sehen. Genau aus den genannten Gründen haben wir die Idee hier im Landtag gegen viele Widerstände durchgesetzt. Zusammen mit den Hinweisen des Landesrechnungshofs sollten wir konkreter werden, was die Raumordnung für Bildung in Schleswig-Holstein betrifft. Darum sollten wir auch Gebrauch davon machen und den Bericht im Ausschuss weiter diskutieren. – Vielen Dank.

(Beifall PIRATEN)

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