Sven Krumbeck Blog

Tag der Gymnasien

Am 04.09.2015 fand der Tag der Gymnasien im Klaus Murmann Hörsaal der CAU statt. Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Ministerpräsident Torsten Albig die Gäste und erzählte über seine Schulzeit am Gymnasium.

Anschließend hielt Prof. Dr. Heinz Elmar Tenorth (Humboldt-Universität zu Berlin, Kultur- Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaften, Abteilung Historische Bildungsforschung) einen Vortrag über „Das Gymnasium – Dimensionen einer verbrannten Erfolgsgeschichte“. Er ist dabei insbesondere auf den historischen Hintergrund der Schulform Gymnasium eingegangen und hat die Entwicklung dargestellt. Außerdem sehe Tenorth es als eine „definierende Institution des Bildungssystems“. Es sei sozial, offen für jeden, habe ein heterogenes Publikum und sei keine Eliteschule. Im Verhältnis zu anderen Ländern, sei Deutschland eines der wenigen Länder, in denen das Abitur gleichzeitig die Zugangsberechtigung zum Studium darstellt. Hier müsse man nicht erst zahlreiche Aufnahmetest an den jeweiligen Hochschulen durchlaufen, so Prof. Dr. Tenorth. Das Gymnasium sei als Ideologie und Leitbild zu verstehen, die Beliebtheit dieser Schulform schlage sich an der starken Abiturientenexpansion innerhalb der letzten 50 Jahre nieder: Zur Zeit besuchen 40% aller lernenden im Sekundarbereich ein Gymnasium. Allerdings gebe es auch einige Defizite: So sei das Abitur keine hundertprozentige Garantie für einen Studienplatz, es gebe zu viele Differenzen zwischen den einzelnen Schulen und Milieupräferenzen hinsichtlich einiger Themen und Werte. Als Lösung schlägt Prof. Dr. Tenorth eine Systemoptimierung vor. Durch die Revolution im Bildungssystem in den letzten Jahren habe sich das Gymnasium bereits erheblich verbessert, da inzwischen sehr viele verschiedene Wege zum Abitur und zum Studium führen können; wie haben keine Sackgassensysteme mehr. Allerdings sei ein „Schulfrieden“ als Rahmenbedingung zwingend notwendig. Darüber hinaus müsse die personelle, sachliche und finanzielle Ausstattung gesichert sein. Wichtig sei auch, sich damit auseinanderzusetzen, was Inklusion an Gymnasien bedeutet. Prof. Dr. Tenorth beendet seinen Vortrag mit den Forderungen nach einer Qualitätssteigerung, der Sicherung der Einheitlichkeit, kompetenzorientiertem Unterricht und individuelleren Lernzeiten für die Schülerinnen und Schüler.

Es folgte das Impulsreferat „So gut wie sein Ruf? – Schulleistungen am Gymnasium“ von Prof. Dr. Olaf Köller (Humboldt-Universität zu Berlin, Kultur- Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaften, Abteilung Historische Bildungsforschung). Auch er thematisierte den Wandel von der „Eliteanstalt zur Massenveranstaltung“: So galt in den 50er Jahren noch die Hauptschule als Regelschule (80% aller Schülerinnen und Schüler besuchten eine Hauptschule). Von den momentan 60 bis 65jährigen hätte nur ein Viertel das Abitur, bei den 25 bis 30jährigen wären es 40%. Die Folgen der Bildungsexpansion seien der Ausbau der Hochschulen aufgrund des Anstiegs der Studienberechtigten und eine leichte Abmilderung der sozialen Disparitäten unter den Schülerinnen und Schülern. Allerdings stelle sich die Frage nach den negative Folgen: Ist das Niveau an den Gymnasien gesunken? Wurde das Abitur entwertet? Anhand von Statistiken zeigte Prof. Dr. Köller auf, dass die Expansion nicht auf Kosten des Niveaus stattgefunden hat, so lagen beispielsweise die Spitzenleistungen der Schülerinnen und Schüler aus Bundesländern mit einer höheren Expansionsrate im selben Bereich wie die der Schülerinnen und Schüler aus Ländern mit einer vergleichsweise niedrigen Rate. Auch die Kompetenz der Abiturientinnen und Abiturienten ist laut einer Studie im Verhältnis zu vor 20 Jahren gleich geblieben – demnach seien die Sorgen um ein sinkendes Niveau und ein entwertetes Abitur unbegründet. Allerdings war der Wissensstand der Befragten gleichzusetzen mit dem eines Mittelstufenschülers und nicht mit dem eines Abiturienten. Aus diesem Grund stellt sich Prof. Dr. Köller sich die Frage, ob man die Messlatte für das Abitur tiefer legen müsse. Ein weiteres Problem sieht Köller bei den voruniversitären Leistungen der Abiturientinnen und Abiturienten, da diese häufig nicht den Anforderungen an den Hochschulen gerecht werden würden. Seiner Meinung nach, würden Vorbereitungskurse, wie es sie an vielen Unis bereist gibt, dem entgegenwirken können.

Im Anschluss fand eine kleine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Tenorth, Prof. Dr. Köller und der Bildungsministerin Britta Ernst statt. Auf die Frage, warum die Sorge um die Gymnasium größer würde antwortete Köller, dass dies an den strukturellen Änderungen in den letzten Jahren läge. Es gebe heute mehrere Wege zum Abitur, da käme schnell die Angst auf, ob das Gymnasium als Schulform überhaupt noch notwendig sei. Außerdem habe das Lehrkräftebildungsgesetz die Themen Einheitslehrer bzw. Einheitsschule wieder aufkommen lassen. Frau Ernst ist der Meinung, dass gerade die Vielzahl an Möglichkeiten die Hochschulreife zu erlangen für das Gymnasium und seine Erfolgsgeschichte spreche. Als Lösungsansätze zur Leistungssteigerung der Abiturientinnen und Abiturienten schlägt Köller vor, das erhöhte Anforderungsniveau in den Kernfächern auch im Unterricht umzusetzen und sogenannte „Brückenkurse“ zwischen Schule und Universität – vorbereitend auf den jeweiligen Studiengang – einzuführen.

Die Veranstaltung klang mit Livemusik der Big Band der Theodor-Storm-Schule Husum und einigen kleinen, netten Gesprächen im Foyer aus.

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