Sven Krumbeck Blog

Besuch des BBZ Rendsburg-Eckernförde

Im Juni 2015 hat das Berufsbildungszentrum Rendsburg-Eckernförde den landesweiten Wettbewerb „Lernen mit digitalen Medien“ gewonnen – heute habe ich mir das preisgekrönte Medienkonzept der Schule einmal selbst anschauen dürfen. Ich habe mich mit dem Schulleiter Jürgen Erwein und der Abteilungsleiterin für Gesundheitsberufe und Berufsvorbereitung, Gitta Hofmeier, zusammengesetzt, um über das eLearning-Projekt und über die DAZ-Klassen zu sprechen.

Das BBZ ist eine Berufsschule und eine Berufsbildende Schule, unterrichtet Vollzeit,  mit Schwerpunktsetzung auf einen bestimmten Beruf oder Teilzeit, für Schüler, die nebenbei eine Ausbildung machen. Dabei konzentriert sie sich auf die Fachbereiche Wirtschaft, Gesundheit und Pädagogik.
Im Moment läuft an der Schule ein Projekt in Kooperation mit der Uni Lübeck, bei dem sich sechs Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihrem Mathematik-Lehrer zusammensetzen und an Mathe-Kursen der Uni teilnehmen. Das läuft so ähnlich wie bei einem Fernstudium: Der Lehrer stellt die Aufgabenblätter der Uni online, die Schülerinnen und Schüler können darauf zugreifen, der Lehrer erklärt ihnen die Themen und in regelmäßigen Treffen werden die Aufgaben verglichen und Fragen geklärt. Dafür bekommen die Schülerinnen und Schüler sogar Credit-Points angerechnet, die ihnen im späteren Studium nutzen. Das Interessante an der Sache ist, dass sich der Lehrer, die Schülerinnen und Schüler meistens in einem Online-Forum (Adobe Connect) treffen. Dort können sie miteinander sprechen, über eine virtuelle Tafel können Dinge präsentiert, bearbeitet oder besprochen werden. Man kann sich sogar melden – fast wie im normalen Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler des Projekts wohnen weit auseinander und kommen aus verschiedenen Klassen, da ist es schwierig, einen gemeinsamen Termin zu finden. Außerdem sind die jungen Erwachsenen nach acht Schulstunden schon so geschaffen, dass sie schlichtweg keine Lust auf komplizierte Mathe-Aufgaben in der neunten und zehnten Stunde haben. Da ist diese spezielle Art von eLearning eine willkommene Alternative, da man sich zu Hause erst einmal mit etwas anderem beschäftigen kann, um dann mit neuer Energie an den Online-Treffen teilzunehmen. Die beiden Schüler, die mir das Projekt vorgestellt haben, sind sehr zufrieden mit dieser Möglichkeit. Es sei zwar anfangs ein merkwürdiges Gefühl, da man vor dem PC sitzt und quasi mit sich selber redet, allerdings gewöhne man sich schnell daran. Vor allem sei es deutlich übersichtlicher als beispielsweise eine Skype-Konferenz. Bisher habe es auch nur kleine technische Probleme gegeben, wie zum Beispiel, dass ein Mikrofon nicht funktioniert. Das sei dann aber auch kein Weltuntergang, da man ganz einfach auf den Chat ausweichen könne. Im Rahmen dieses Projekts gibt es auch eine, von der Uni Lübeck organisierte ‚Summer School‘, bei der die Schülerinnen und Schüler des Kurses eine Woche an der Universität selber verbringen. So kann man sich auch viel besser auf das Studentenleben vorbereiten.

Schulleiter Jürgen Erwein überlegt, die Arbeit mit Adobe Connect auch in anderen Bereichen einzusetzen, beispielsweise bei den Abendschülern, die meist nach einem Arbeitstag noch den langen Weg zum BBZ auf sich nehmen. Ihnen könne man durch Treffen in einem ‚virtuellen Klassenraum‘ sehr entgegenkommen.
Auch im ’normalen‘ Unterricht setzt die Schule auf digitale Medien. So stehen inzwischen in vielen Klassenzimmern sogenannte Medienboxen mit Computer, DVD-Player und Lautsprechern. Außerdem gibt es einige EDV-Räume und Smartboards. In nächster Zeit soll in diesem Bereich weiter aufgerüstet werden. Des Weiteren verfügt die Schule über ein eigenes W-LAN, in dem sich die Schülerinnen und Schüler mit Benutzernamen und Passwort anmelden können. Handys und Laptops sind grundsätzlich erlaubt und werden auch regelmäßig im Unterricht eingesetzt. Ausnahmen davon bieten Klassenarbeiten. Das BBZ verfolgt dabei das Bring-Your-Own-Device-System, sodass jeder Schüler für die Anschaffung eines Notebooks oder Ähnlichem selbst verantwortlich ist. Sollte sich eine Familie ein solches Gerät nicht leisten können, wird eins von der Schule organisiert, dass das in Raten abbezahlt werden kann.
Darüber hinaus hat das BBZ ein eigenes Portal, in dem sich Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anmelden können. Dort können sie sich austauschen und auf gewisse Dokumente und Arbeitsblätter zugreifen. Schulleiter Erwein berichtete, dass die Kommunikation und der Informationsaustausch unter den Lehrerinnen und Lehrern dank dem Portal deutlich zugenommen habe. Für die Zukunft sei geplant, dass jede Lehrkraft auf dieser Website ihren eigenen Arbeitsplatz eingerichtet bekommt, mit einer Übersicht über den eigenen Stunden- und Vertretungsplan, einer einfacheren Möglichkeit Räume zu buchen und Ähnlichem.

Des weiteren haben wir über die DAZ(Deutsch als Fremdsprache)-Klassen gesprochen. Derzeit hat das BBZ eine von diesen Klassen mit 20 Schülerinnen und Schülern aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. Im Oktober soll eine weitere Klasse dazu kommen. Allerdings betonten Erwein und Hofmeier, dass die Kapazitäten der Schule in Bezug auf Räumlichkeiten und Personal wohl bald erschöpft sein werden und sie sich in der derzeitigen Situation der großen Menge an Flüchtlingskindern nicht gewachsen sehen. Sie hätten nicht die Möglichkeit viel mehr Kinder und Jugendliche in DAZ-Klassen aufzunehmen.
Bisher konnte die Schule nur positive Erfahrungen mit der derzeitigen DAZ-Klasse sammeln, die Schülerinnen und Schüler seien sehr motiviert und wissbegierig. Außerdem lernen die Kinder nicht nur Deutsch, sondern auch ein klein wenig Englisch und Mathematik, um sie auf Berufsleben vorzubereiten. Sie machen auch viele praktische Sachen, wie zum Beispiel in der Küche. Das Aufeinanderprallen verschiedener unterschiedlicher Kulturen sei auch kein Problem, im Gegenteil: Die Schülerinnen und Schüler zeigen und erklären den anderen ihre Bräuche, ihr Essen und ihre Musik.

Der Schulbesuch war sehr schön, interessant und ich konnte eine Menge an Eindrücken mitnehmen.

About 

0 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *