Sven Krumbeck Blog

Medienkompetenztag Schleswig-Holstein 2015

Am 29. September fand der Medienkompetenztag Schleswig-Holstein in Kiel statt. Es gab eine Reihe von Vorträgen, Workshops, Themenbörsen und viele Informationsstände unterschiedlichster Organisationen und Firmen. Ausgerichtet war die Tagung vor allem auf die Frage, wie man digitale Medien im Unterricht einsetzen und damit arbeiten kann. Dazu wurden verschiedene Modelle vorgestellt und diskutiert, wie beispielsweise das Bring-Your-Own-Device(BYOD)-Konzept. Außerdem gab es Vorträge dazu, worauf man bei der Medienpädagogik bei Kinder und Jugendlichen achten muss und welche Vor- und Nachteile der wachsende Einfluss neuer Medien hat.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung direkt mit einem Vortrag von dem Wissenschaftlicher Direktor am Institut für Informationsmanagement Bremen, Prof. Dr. Andreas Breiter, mit dem brisanten Titel „Tablet oder Buch? Schulische Bildung in Zeiten des Medienwandels“.
Breiter warf zunächst einen Blick in die Vergangenheit und zeigte ein Papier von 1929, auf dem vor den negativen Einflüssen von Tonfilmen gewarnt wurde. Es folgte ein etwas aktuelleres Beispiel: die erste Sesamstraßen-Folge in Deutschland, die anfangs nur im WDR ausgestrahlt wurde, da Länder wie Bayern das Format für nicht kindertauglich befanden. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der Medienwandel seit jeher für einige Teile der Bevölkerung eine Bedrohung dargestellt habe und dass die ablehnende Haltung, die manche Schulen bezüglich digitaler Medien an den tag legen, volkommen normal sei.
Breiter stellte eine Studie vor, die die Mediennutzung von Lehrkräften im Zeitverlauf darstellte. Die Studie besagte, dass im Jahr 1999 18 Prozent der Lehrkräfte mindestens einmal in der Woche digitale Medien einsetzten, bis 2013 stieg die Zahl auf 60 Prozent. Allerdings sei die Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler meist eine andere.

Eine weitere Studie (ICILS) zeigte, dass Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten eine geringere Computerkompetenz besitzen als ihre Mitschüler. Daraus lasse sich schließen, so Breiter, dass die Generation der sogenannten ‚Digital Natives‘ den Medienumgang nicht automatisch im Laufe ihrer Jugend erlernen. Daher läge es in der Verantwortung der Schulen, alle Jugendlichen auf ein gleiches Niveau zu bringen, um so gleiche Voraussetzungen zu schaffen.
Die Schulen sollten im Zuge der Medienpädagogik vor allem auf die folgenden vier Teilbereiche aufbauen: Medienintegration (Einsatz digitaler Medien bei Projekten und im Fachunterricht), Medienkompetenz (den Schülerinnen und Schülern die Nutzung der Geräte, die Produktion eigener Portfolios oder Ähnlichem, die Präsentation von Arbeitsergebnissen und die Reflexion der eigenen Arbeit beibringen), Informatikkompetenz (Algorithmen erklären, programmieren und den sicheren Umgang im Netz lehren) und Medienaneignung (spielen, erleben, erfahren und für sich nutzen lernen).
Breiter stellt klar heraus, dass das Projekt digitale Medien an Schulen kein selbstläufer sei. Man bräuchte mindestens ein Jahr Vorlauf, um alles richtig planen und organisieren zu können, von der Einrichtung eines Schul-WLANs über die Weiterbildung der Lehrkräfte bis hin zur Anschaffung digitaler Endgeräte oder dem Umsetzen der BYOD-Strategie. Die Rolle der Lehrkäfte bei einem solchen Großprojekt sei, sich offen zu zeigen und sich zu beteiligen. Im Rahmen der Schulorganisation sei es wichtig, ein schulinternes Curriculum zu erarbeiten und die rechtlichen Rahmenbedingungen abzustecken.
Die Frage nach Tablet oder Buch beantworte sich für den Wissenschaftlichen Direktor schnell: beides! Man solle die digitalen Medien als Hilfsmittel begreifen, die die Unterrichtsqualität und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler steigern können, wenn man sie richtig einsetzt. Allerdings ändere sich die Einstellung zu den Medien nicht von heute auf morgen, nur weil die Jugendlichen plötzlich mit Tablets im Unterricht sitzen. Es sei ein langwieriger Prozess bis diese Veränderung in den Köpfen ankomme und es zum Alltag gehöre, zwischen Federtasche und Collegeblock ein digitales Endgerät liegen zu haben.

Unheimlich interessant war auch die Themenbörse zu „Bring Your Own Device – Erprobung eines Wegs zur Integration digitaler Medien in den Schulalltag“. Der Medienberater des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH), Cristoph Olsen, leitete das Thema ein und berichtete über den aktuellen Stand der Dinge. Danach stellten die Auguste-Viktoria-Schule (AVS) Flensburg und die Freiherr-vom-Stein-Schule (FvSS) Neumünster ihre Medienkonzepte vor und teilten die Erfahrungen, die sie mit dem BYOD-Modell gemacht haben.

Allem voran stellte Olsen den Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Thema Medien aus dem Jahr 2012, der besagt, dass Medien an Schulen dort vorhanden sein sollen, wo man sie brauche, das heißt nicht nur in einem Computerraum am anderen Ende des Schulgebäudes, sondern bei den Schülerinnen und Schülern im regulären Unterricht. In diesem Zusammenhang zielt der KMK-Beschluss auch in Richtung BYOD ab.[1] Studien würden zeigen, so Olsen, dass die Schulen nach wie vor so mangelhaft ausgestattet seien, dass sich neun Schülerinnen und Schüler einen PC teilen mussten. Des Weiteren habe eine Befragung ergeben, dass private Endgeräte zu 90 Prozent selten oder gar nicht im Unterricht benutzt würden. Er befürwortet die sogenannte 1:1-Ausstattung, da jede Schülerin und jeder Schüler sein eigenes Gerät brauche, das er individuell an sich anpassen könne. Außerdem sei die Verantwortlichkeit gegenüber eigener Geräte deutlich höher als gegenüber schuleigenen PCs, Tablets oder Notebooks. Inzwischen seien diese digitalen Endgeräte für fast jeden bezahlbar, man müsse allerdings

einkommensschwachen Familien eine Finanzierungsmöglichkeit anbieten und Ersatzgeräte in der Schule bereitstellen. Um private Endgeräte im Unterricht nutzen zu können, müsse man, so Olsen, gewisse Standards festlegen. Es ginge dabei nicht darum, ein bestimmtes Gerät vorzuschreiben, sondern darum, technische Vorgaben zu machen wie beispielsweise eine Mindestgröße der Bildschirme oder das Vorhandensein eines Office-Pakets und einer Tastatur. Inzwischen gebe es im Land zwölf Projektschulen für das Lernen mit digitalen Medien – darunter auch die AVS und die FvSS -, deren Ziel es ist, unterrichtswirksame Ideen zum systematischen Einsatz von Medien herausarbeiten. Abschließend fasste Olsen zusammen, auf welche drei Säulen eine Schule aufbauen müsse, um digitale Medien im unterricht nutzen zu können: Man brauche ein Medienkonzept (geregelter Umgang mit digitalen Endgeräten), eine ausgebaute Infrastruktur (Internet, WLAN, Möglichkeiten der Präsentation, Lernplattform, Support) und Inhalte (digitale Lernbücher, freie Arbeitsmaterialien).

Danach stellte Timo Räker, Lehrer an der AVS Flensburg, das Medienkonzept der Schule vor. Die pädagogische Zielsetzung sei dabei auf die Integration digitaler Inhalte in den Unterricht als zusätzliches Werkzeug zur Vermittlung fachlicher Inhalte ausgerichtet – zum Beispiel Geometriaufgaben anschaulich darstellen zu können. Die AVS startete vor einigen Jahren damit, ein WLAN-Netzwerk und einen schulinternen Server zum sicheren Austausch von Materialien und Arbeitsergebnissen (Open Source) aufzubauen. Kurze Zeit später wurde die erste iPad-Klasse ins Leben gerufen: einheitliche Geräte, 1:1-Ausstattung. Einen großen Vorteil, den die digitalen Endgeräte haben, sei, so Räker, dass sie beispielsweise teure Taschenrechner, die in der Oberstufe gebraucht werden, ersetzen können. Außerdem sei es gerade für die Lehrkräfte gut, wenn jeder ein eigenes Gerät habe, auf das man sich einstellen könne und mit dem man bereits vertraut ist, so der Erfahrungsbericht von Räker. BYOD eröffne die Möglichkeit des nahtlosen und unkomplizierten Einsatzes der Geräte auch in kurzen Unterrichtsphasen. Wenn die Schülerinnen und Schüler nur zu Hause neue Medien nutzen, könne es passieren, dass diese Geräte von den Jugendlichen lediglich als Spielkonsolen wahrgenommen werden. Durch den Einsatz im Unterricht, könne man ihnen zeigen, wie sich die Geräte auch produktiv nutzen lassen, sodass es sich dabei in ihrem Empfinden nicht mehr um ein reines Konsumgerät handelt. Momentan sei das WLAN an der Schule nur für die Oberstufe geöffnet. Aufbauend auf bisherigen Entwicklungsschritten soll es zukünftig auch für die Mittelstufe zur Verfügung stehen. Des Weiteren sei geplant, die Infrastruktur weiter zu verbessern, alle Räume mit Beamer und Soundsystem auszustatten, mobile Computerräume einzuführen, die BYOD-Strategie in mehr Klassen einzuführen (derzeit nur in der Oberstufe), digitale Schulbücher einzusetzen, einen Schulentwicklungstag zur Erarbeitung fachspezifischer Einsatzmöglichkeiten der Geräte zu veranstalten und ein Konzept für projektartiges Arbeiten unter einbezug der digitalen Geräte in der Mittelstufe zu erarbeiten.

Im Anschluss wurde das Medienkonzept der Freiherr-vom-Stein-Schule vorgestellt. Es habe damit begonnen, dass die Schülervertretung im November 2012 einen Antrag zur Benutzung eigener Geräte im Unterricht gestellt hat. Daraufhin wurde der Medienausschuss gegründet und ein Konzept erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler haben sich ihr eigenes WLAN-Netzwerk aufgebaut, in dem sie alte Router von zu Hause mitgenommen und in der Schule eingerichtet haben. Daraufhin brachten immer mehr ihre eigenen Laptops mit, um damit zu arbeiten. Der Medienausschuss hat darauf aufgebaut und ist zu dem Schluss gekommen, dass jeder frei wählen können sollte, welches Gerät er oder sie benutzen möchte, daher setzt die Schule auf das BYOD-System. Die Schülerinnen und Schüler der Schule arbeiten im regulären Unterricht weitestgehend selbstständig und suchen, je nach vorhanden Fähigkeiten und Wissensstand, ihre Materialien eigenständig zusammen. Derzeit verfügt die FvSS über an die 700.000 Kopien pro Schulart; das schlucke nicht nur Platz, sondern stelle auch durch den Papierverbrauch eine Umweltbelastung dar. Nun sollen diese Arbeitsblätter digitalisiert werden, sodass die Jugendlichen über die Lernplattform der Schule darauf zugreifen können.[2]

[1] http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_03_08_Medienbildung.pdf

[2] Medienkonzept der FvSS: https://www.schulen-gt.de/explorer/Index/1110052/

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