Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema: „Handys und digitale Speichermedien an Schulen zulassen – Medienpädagogische Lern- und Lehrkonzepte für alle Schulen einfordern!“

38. Tagung des Landtags – Sitzung vom 18.11.2015

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Wer sich über das Selbstverständliche noch freuen kann, hat eindeutig mehr vom Leben. Wer möchte das bestreiten? Und dennoch gibt es manchmal Unsicherheiten oder auch Uneinigkeit über das Selbstverständliche. Dass Handys heute zur Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen gehören, ist so eine gelebte Selbstverständlichkeit, die aber von manchen Schulen im Land immer noch nicht akzeptiert wird.

(Beifall Torge Schmidt [PIRATEN])

Das betrifft lange nicht alle Schulen, viele haben sich geöffnet und beweisen mit selbst erarbeiteten medienpädagogischen Lehr- und Lernplänen ihren Willen, die Lebenswirklichkeit der Schüler in den Schulalltag einfließen zu lassen.

Schule als Lern- und Lebensort kann erst dann gelingen, wenn wir den Lebensort in die Schule bringen. Schule als Lernort kann nur gelingen, wenn wir aus ihr keine konstruierte weltfremde Welt machen, sondern eine, in der sich die Schüler auskennen, wohlfühlen und authentisch wiederfinden.

(Beifall PIRATEN)

Schulen, die heute noch generelle Medienverbote in ihren Schulordnungen festgeschrieben haben, müssen erkennen, dass diese zumindest an dieser Stelle gegen geltendes Recht verstoßen, dass die Schulordnungen an dieser Stelle einer dringenden Überarbeitung bedürfen.

(Beifall PIRATEN)

Wir PIRATEN haben schon einmal einen Vorstoß gewagt, als es um ein Verbot von Detektoren an den Schulen ging. Damals fanden wir in der Sache Zustimmung, weil es keine Rechtsgrundlage für diese Detektoren gab. Heute wollen wir mehr, wir wollen ein deutliches Zeichen gegen generelle Handyverbote.

(Beifall PIRATEN)

Wir wollen ein positives Zeichen für Medienkompetenzkonzepte, für medienpädagogische Lehr- und Lernpläne. Wir wollen, dass moderne Medien und deren Einsatz in Schulen positiv betrachtet und gewinnbringend in die pädagogischen Konzepte der Schulen eingebunden werden.

Freiwilligkeit, liebe Kollegen, ist zwar gut, reicht uns aber nicht mehr aus. Wenn Ministerin Ernst gegenüber dem NDR auf Freiwilligkeit setzt und daran erinnert, dass es schon viele Schulen gibt, die zukunftsweisend und im Sinne des von uns beantragten und veröffentlichten Gutachtens agieren, dann ist das gut, aber nicht ausreichend. Das ist nicht falsch, aber politisch mutlos.

(Beifall PIRATEN)

Mobiltelefone und Tablets dürfen nicht generell verboten werden. Das ist die eindeutige Auskunft des Gutachtens unseres Wissenschaftlichen Dienstes im Haus. Ich bedanke mich für dessen Erstellung bei den Fachleuten des Wissenschaftlichen Dienstes sehr herzlich.

(Beifall PIRATEN und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dass es aber immer noch Schulen gibt, die das Mitführen dieser modernen Medien auf dem Schulgelände generell untersagen, zeigt doch, dass wir mit der Freiwilligkeit einen Freiraum zulassen, den die große Mehrheit nicht will. Also brauchen wir klare Aussagen und politische Rahmenvorgaben. Wir formulieren dies sehr deutlich: Die PIRATEN wollen schuleigene Medienentwicklungspläne und ein Parlamentsbeschluss gegen Handyverbote.

(Beifall PIRATEN)

Die schuleigenen medienpädagogischen Lehr- und Lernpläne sollen nicht uniform sein. Das IQSH hat bereits Rahmenkonzepte erarbeitet, die für jede Schule eine Richtlinie sein können, die sie dann ganz individuell ausfüllen können. Wer sich an den IQSH-Leitlinien orientiert, muss das Rad auch nicht neu erfinden. Denn zusätzliche und umfangreiche Arbeiten wollen wir unseren Schulen in Zeiten dramatisch schlechter Unterrichtsversorgung nicht zumuten. Die Hilfe ist da, sie muss nur angenommen werden.

Sich mit dem pädagogischen Umgang mit den neuen Medien zu beschäftigen, klärt nicht nur die rechtliche Lage, sie ermuntert auch die Lehrerschaft dazu, sich mit den Möglichkeiten dieser Medien auseinanderzusetzen und diese pädagogisch sinnvoll zu nutzen und vielleicht erfolgreich im Unterricht einzusetzen.

Medienkompetenz bedeutet nicht, einen PC aus- oder einschalten zu können oder einen kritischen Umgang damit anzumahnen, Medienkompetenz bedeutet, sich mit den Möglichkeiten und Grenzen dieser Medien eingehend zu beschäftigen. Zurzeit ist es doch so, dass viele Schüler in dieser Frage deutlich innovativer aufgestellt sind als die unterrichtenden Lehrer.

(Beifall PIRATEN)

Ich erinnere an unseren ersten Tag des digitalen Lernens, der hier im Landeshaus durch den Bildungsausschuss organisiert wurde. In seinem Impulsreferat stellte Jöran Muuß-Merholz fest: Das Internet ist da, und es geht auch nicht wieder weg.

(Beifall PIRATEN)

Analog dazu stelle ich fest: Die modernen Medien sind da, und sie gehen auch nicht wieder weg – durch kein Verbot und durch keine Schulordnung. Verbieten wir nicht länger, was nicht zu verbieten ist, und tun wir es schon gar nicht dort, wo junge Menschen Verantwortung und Demokratie lernen sollen, an unseren Schulen.

(Beifall PIRATEN)

 

0 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *