Sven Krumbeck Blog

Bericht der Landesregierung: Umsetzung des Digitalen Lernens

Das Ministerium für Schule und Berufsbildung stellt in der heutigen Plenarsitzung seinen Bericht zur Umsetzung des Digitalen Lernens in Schleswig-Holstein vor. Die Digitalen Medien bestimmen mehr und mehr sowohl das Arbeitsleben als auch den privaten Alltag. Nur in der Schule sind sie noch nicht ganz angekommen.

Dies schlägt sich auch in den Ergebnisse von ICILS, der International Computer and Information Literacy Study 2013, nieder. Diese beschreiben erstmals computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. Die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen der Jugendlichen in Deutschland liegen im Mittelfeld der EU. Es gibt in Deutschland einen hohen Entwicklungsbedarf bezüglich der Ausstattung der Schulen mit modernen und unterrichtsnahen Technologien. Außerdem fehlen oft Unterstützungssysteme im Bereich des technischen und pädagogischen Supports. Die Nutzung des Computers im Unterricht ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern unterdurchschnittlich (9% täglich, 34% einmal wöchentlich).[1]

Um das Lernen mit digitalen Medien an den Schulen ganz konkret vor Ort weiter zu entwickeln, wurde 2015 das Projekt „Lernen mit digitalen Medien“ gestartet. In diesem Projekt fördert das Land die Umsetzung von innovativen Konzepten zum systematischen Einsatz der digitalen Medien im alltäglichen Unterricht. Die hierfür ausgewählten Modellschulen bilden den Kern eines Netzwerkes von Schulen „Digitale Lernorte SH“ zur Weiterentwicklung des Lernens mit digitalen Medien in Schleswig-Holstein. Das Projekt ist für einen Zeitraum von 1,5 Jahren geplant und wurde zu Beginn mit einer Fördersumme von 200.000 Euro unterlegt. Damit die Konzepte an den Schulen zügig umgesetzt werden können, kann ein Teil der Kosten (maximal 30.000 Euro pro Schule) aus den bereitgestellten Mitteln getragen werden. Derzeit umfasst das Projekt 20 Modellschulen, die vom Land gefördert werden.

Einige dieser Schulen habe ich bereits besucht, um mir vor Ort ein Bild davon machen zu können wie die Modellschulen arbeiten. Hier die Blogbeiträge zu den jeweiligen Schulbesuchen:

Ein weiterer Bereich, der im Rahmen des Projekts gefördert wird, ist die Nutzung digitaler Unterrichtsmaterialien. Die Erprobung der digitalen Unterrichtsmaterialien ermöglicht den beteiligten Lehrkräften die Vor- und ggf. auch Nachteile der digitalen Materialien im eigenen alltäglichen Unterricht zu erfahren und eigene, entsprechend optimierte Unterrichtskonzepte zu entwickeln. In Webinaren wird der Austausch zu lernförderlichen Unterrichtsszenarien mit digitalen Medien angeregt.

Konkret gibt es drei Handlungsfelder, die angepackt werden müssen, um die Digitale Bildung, das Lernen mit und über Medien, voranzutreiben: Die strukturelle Verankerung (in Lehrplänen, Fachanforderungen, Strategien und Projekten), die Medienbildung der Lehrkräfte (im Studium und im Referendariat sowie durch Fortbildungen) und die Infrastruktur (die technische Ausstattung an den Schulen inklusive Wartung und Support, sowie das Bereitstellen von Inhalten).

Im Bereich der strukturellen Verankerung gibt es bereits Handlungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz (KMK) „Medienbildung in der Schule“ aus dem Jahr 2012, das kompetenzorientierte „Konzept für die schulische Medienbildung“ der Länderkonferenz Medienbildung aus dem Jahr 2008, sowie das Medienpädagogische Landeskonzept des Netzwerks Medienkompetenz Schleswig-Holstein aus dem Jahr 2010.

In Schleswig-Holstein ist die Medienbildung strukturell als Aufgabe aller Fächer im allgemeinen Teil aller Fachanforderungen verankert: „Medien sind Bestandteil aller Lebensbereiche; wesentliche Teile der Umwelt sind nur medial vermittelt zugänglich. Schülerinnen und Schüler sollen in die Lage versetzt werden, selbstbestimmt, sachgerecht, sozial verantwortlich, kommunikativ und kreativ mit den Medien umzugehen. Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Bild von Wirklichkeit, das medial erzeugt wird. Schülerinnen und Schü- ler sollen den Einfluss der Medien reflektieren und dabei erkennen, dass Medien (Nachrichten, Zeitungen, Bücher, Filme etc.) immer nur eine Interpretation, eine Lesart von Wirklichkeit bieten, und sie sollen sich bewusst werden, dass ihr vermeintlich eigenes Bild von Wirklichkeit durch die Medien (mit-)bestimmt wird.“[2]

„Ein weiteres Element der strukturellen Verankerung schulischer Medienbildung ist die Erstellung individueller Medienentwicklungskonzepte an den Schulen.“[3] – so heißt es im Bericht der Landesregierung. Die PIRATEN haben im November letzten Jahres einen Antrag eingereicht, der genau ebendies fordert. Darin hieß es: „Die Landesregierung wird außerdem aufgefordert dafür zu sorgen, dass alle Schulen im Land umgehend ein medienpädagogisches Lern- und Lehrkonzept entwickeln.“[4] Als dieser Antrag der PIRATEN Ende Februar im Bildungsausschuss debattiert wurde, lehnten ihn die Regierungsfraktionen ab – und widersprechen damit genau dem, was das Bildungsministerium für die strukturelle Verankerung der Digitalen Bildung für unabdingbar hält.

Im Bereich der Medienbildung der Lehrkräfte tut sich bereits einiges. Nach § 12 des Lehrkräftebildungsgesetzes ist die Vermittlung von Medienkompetenz in sämtliche Lehramtsstudiengänge zu integrieren. Für die bereits fertig ausgebildeten Lehrkräfte werden zahlreiche Fortbildungen angeboten. Darüber hinaus veranstaltet das Land jährlich den Medienkompetenztag, der nächste ist für den 29. September 2016 geplant.

Eine der ganz großen Baustellen ist die Infrastruktur der Schulen. Zur Bestandsaufnahme hat das IQSH im Auftrag des Bildungsministeriums eine Umfrage zur IT-Ausstattung und Medienbildung an den Schulen in Schleswig-Holstein im Frühjahr 2014 durchgeführt. Diese ergab, dass die Ausstattung der einzelnen Schulen sehr unterschiedlich ist – meistens abhängig davon, was der Schulträger bereit ist für den Bereich Digitale Bildung zu investieren. So hätten nur 15 % aller Schulen eine Internetanbindung mit zukunftssicherer Bandbreite, Wartungsaufgaben und IT-Support seien uneinheitlich geregelt und erfolgen überwiegend durch Lehrkräfte, Bring-YourOwn-Device (BYOD) für den Unterricht sei bislang eher selten, zumal die Leistungsfähigkeit und Authentifizierungsstandards der festen WLAN-Netze an den Schulen in der Regel für eine BYOD-Infrastruktur nicht ausreichend wären.[5]

Auch das Thema Open Educational Resources (OER) rückt mehr und mehr in den Fokus des Ministeriums. „Für den Einsatz im Unterricht standen über die Mediathek des IQSH bisher über 24.000 urheberrechtlich sichere Medien zur Nutzung in den Schulen bereit (aktuell rund 95.300 Downloads und Streams 2015). Lehrkräfte finden darin Bildmaterial, Videos, Audios, Links zu Internet-Seiten und vielfältige Dokumente (http://medien.lernnetz.de).“[3] Darüber hinaus sollen OER Schwerpunktthema des kommenden Medienkompetenztages sein.

Mehr zum Bericht der Landesregierung – federführend das Ministerium für Schule und Berufsbildung – findet Ihr unter folgendem Link:

Landtag SH – Top 37 – Digitales Lernen

 


 

Quellen:

[1] ICILS 2013 – Computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in der 8. Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich

[2] Z.B. Fachanforderungen Deutsch, allgemeinbildende Schulen, Sekundarstufe I Sekundarstufe II, Seite 11, www.lehrplan.lernnetz.de

[3] Bericht der Landesregierung/des Ministeriums für Schule und Berufsbildung

[4] Antrag: Handys und digitale Speichermedien an Schulen zulassen – Medienpädagogische Lern- und Lehrkonzepte für alle Schulen einfordern!

[5] Landesweite Umfrage zur IT-Ausstattung und Medienbildung der Schulen in Schleswig-Holstein

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