Sven Krumbeck Blog

Das OER-Festival in Berlin

Ende Februar war ich in Berlin, um das Open-Educational-Resources(OER)-Festival zu besuchen. „Im deutschsprachigen Raum sind wir in Sachen Open Educational Resources im internationalen Vergleich eher noch rückständig.“ Diesen oder ähnliche Sätze äußern Experten in Interviews oder auf Podien gerne, und zwar seit Jahren. Der Satz stimmt heute nicht mehr. Es gibt inzwischen zahlreiche Ideen, Initiativen, Akteure, Projekte und Institutionen zu OER in allen Bildungsbereichen. Das OER-Festival 2016 macht die Breite und Vielfalt von Open Educational Resources sichtbar.

@monipiratin @Kalzifer89 und @oncampusfhl

Im Rahmen des Festivals fand am Sonntag (28.02.) und am Montag (29.02.) das OERcamp statt. In Workshops und Sessions wird die ganze Bandbreite des Themenfeldes bearbeitet, von grundlegenden Einführungen bis zu spezial-gelagerten Sonderfällen. Am Dienstag (01.03.) tagte das OER-Fachforum. Das Fachforum hat die Aufgabe, die umfangreiche und bunte Landschaft im deutschsprachigen Raum zu OER vorzustellen und ihren Austausch zu fördern. Am Abend wurde der OER-Award verliehen.

Die Werkstatt der Bundeszentrale für politische Bildung war eine von 30 Unterstützern des OER-Festivals. Im Voraus haben sie ein Interview mit Jöran Muuß-Merholz, dem OER-Festival-Gesamtleiter geführt, der eine Einführung in die Thematik und einen Ausblick auf die Veranstaltung gibt.

Auf dem Barcamp des OER-Festivals, am Sonntag und Montag, habe ich viele interessante Workshops und Vorträge besuchen dürfen und viele neue Eindrücke gewinnen können. Ich war unter anderem bei folgenden Sessions:

  • „Entwickung eines OER-Spickzettels für das Lehrerzimmer“ von Thomas Haubner (@thomashaubner) und Thomas Hoyer (@astrokopp) von tutory.de (@tutoryde)
  • „OER-Studien waren nicht Open sondern Closed“ von Christian Füller (@ciffi)
  • „Schüler als OER-Produzenten“ von André Hermes (@medienberater) und Norbert Hillebrecht (@Nor_Hil)
  • „OER & Bildungsgerechtigkeit“ von Andreas Häfner
  • „OER, MOOCs und Marzipan“ von Andreas Wittke (@onlinebynature) von oncampus
  • „Was kann, muss Politik tun, um OER voranzutreiben“ von Monika Pieper und mir
  • Free Software Foundation Europe „Freie Software und OER – ein Muss in der Lehrerausbildung“
  • Bildungsserver „Was die Bildungsserver für OER tun (…werden, …sollten, …könnten)“
Was kann, soll, muss Politik leisten ,um #OER voranzutreiben
Was kann, soll, muss Politik leisten ,um #OER voranzutreiben?

Was kann beziehungsweise muss die Politik tun, um OER voranzutreiben? Monika Pieper, Abgeordnete der PIRATEN im Landtag Nordrhein-Westfalen, hat gemeinsam mit mir zu diesem Thema ein Panel geleitet. Zunächst haben wir darüber geredet, auf welchen Ebenen sich die Politik kümmern muss: Auf der einen Seite muss sie durch Gesetze und Verordnungen den rechtlichen Weg ebnen und auf der anderen Gelder zur Verfügung stellen.
Eins der obersten Ziele muss es sein, den Bekanntheitsgrad von OER zu steigern und die Lehrenden dementsprechend aus- und weiterzubilden. Dies kann zum einen über Schulungen laufen, die das nötige urheberrechtliche und auch technische Know-How vermitteln. Darüber hinaus sollte das Thema in der Lehrplänen und auch in der Lehrerausbildung verankert werden. Außerdem müssen die rechtlichen Unsicherheiten beseitigt werden. Unsere Notizen aus dem Workshop findet Ihr hier.

Der Workshop „Freie Software und OER – ein MUSS in der Lehrerausbildung“ von Wolf-Dieter Zimmermann (Fellow der Free Software Foundation Europe)  knüpft thematisch daran an. Er stellte die Behauptung auf, dass qualifizierte und medienkritische Ausbildung an und mit digitalen Medien mit quell-offenen Materialien erfolgen müsse. Die Basis von digitalen Medien müsse transparent und vor allem einseh- und nachvollziehbar sein. Ausschließlich Freie und quell-offene Software könne dies gewährleisten. Die vollständige Präsentation findet Ihr hier. In der anschließenden Diskussion sind wir zu dem Schluss gekommen, dass alles, was unter OER fällt auch in Formaten von einer Open Source Software vorliegen muss, ansonsten wäre es nicht ‚Open‘. Aus diesem Grunde ist freie Software immer auch nur dann freie Software, wenn deren Quellen öffentlich verfügbar sind und die Software verstehbar, veränderbar, verfügbar und verbreitbar ist.

Eröffnung vom OER-Fachforum in der Landesvertretung von Schleswig-Holstein
Eröffnung des OER-Fachforums

Das große Interesse am OER-Festival und die Beteiligung und Unterstützung durch viele und vor allem auch sehr vielfältige Organisationen und Initiativen hat eindrücklich gezeigt, dass das Thema der freien Bildungsmaterialien in der bildungspolitischen Debatte angekommen ist. So steht beispielsweise die gesamte Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Torsten Albig und der Deutschen UNESCO-Kommission. Darüberhinaus, sind die Siemens- und die Bertelsmann-Stiftung, sowie Wikimedia Deutschland, die Bundeszentrale für politische Bildung, die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), die OER-World-Map und der Deutsche Bildungsserver Partner des Festivals.

Auf dem Erfolg darf man sich allerdings nicht ausruhen. Es gibt immer noch zu viele Menschen, denen das Thema OER vollkommen fremd ist. Daran muss sich etwas ändern. Es ist notwendig, OER zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Lehrens und Lernens in allen Bildungsbereichen zu machen und mit der praktischen Arbeit von Lehrenden zu verknüpfen.

Offener Zugang zu Material führt nicht automatisch zur Teilhabe an Bildung! Entscheidend ist, dass das Rad dabei nicht neu erfunden werden muss: Es gibt zahlreiche gute und sinvolle didaktische Konzepte in diese Richtung. Was fehlt, ist ihre Verknüpfung mit OER.

So heißt es im Blogpost vom eBildungslabor zum OER-Festival. Daher ist es wichtig, dass dem Thema auch in Zukunft mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und der Weg zur praktischen Umsetzung und Nutzung geebnet wird.

OERcamp16 – Workshopplan / Sessionplan mit Dokumentation

eBildungslabor: Blogpost zum OER-Festival

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