Sven Krumbeck Blog

Rede zum Thema „Umsetzung des digitalen Lernens“

114. Sitzung – Mittwoch, 9. März 2016

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich danke der Bildungsministerin und ihrem Team für den vorliegenden Bericht, den die PIRATEN zusammen mit der Koalition beantragt haben.

Zuerst darf ich einen der wichtigsten Sätze wiedergeben. Auf Seite 7 heißt es:

„Das Ministerium für Schule und Berufsbildung hat das Thema ‚Lernen in einer digitalen Gesellschaft‘ zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht.“

Als PIRAT finde ich das nicht nur außerordentlich gut, sondern ich möchte der Ministerin, aber auch ihrer Vorgängerin im Amt ausdrücklich für dieses sichtbare Engagement danken, das ja auch vom Bildungsausschuss unterstützt wurde.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Ich erinnere an die Tage des digitalen Lernens oder an die Wettbewerbe um die Auszeichnung als Medienschule, aus denen viele beeindruckende Konzepte und Projekte hervorgegangen sind. – Vielen Dank dafür.

Dieses Engagement hat einen guten Grund: Verschiedene Studien belegen, dass Aufwachsen in Deutschland heute ohne digitale Medien für Kinder und Jugendliche undenkbar ist. Die mobile Nutzung des Internets durch immer jüngere Kinder gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. So heißt es im Bericht der Landesregierung aus dem federführenden Sozialministerium – ich habe es schon oft gesagt und wiederhole es gern wieder -: Die digitale Welt umgibt uns alle. Und wer Schule als Lehr- und Lernort verstehen will, der muss akzeptieren, dass dieser Ort eingebettet ist in die digitale Welt und ohne sie nicht mehr denkbar ist.

(Beifall PIRATEN und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich zitiere hier ausdrücklich aus dem Bericht der Sozialministerin, weil er eindeutiger ist als der vorliegende Bericht von Frau Ernst. Dort heißt es in der Einführung auf Seite 4:

„Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Welt … Diese Zielsetzung erfordert die Vermittlung einer umfassenden digitalen Kompetenz und ist ohne den Einsatz digitaler Medien und entsprechend kompetenter Lehrkräfte nicht denkbar.“

Und dann kommt:

„Auf der anderen Seite sind neben den Chancen für das Lernen auch die Risiken zu bedenken …“

Einerseits, andererseits – diese Abwägung darf auf gar keinen Fall zu der Schlussfolgerung führen, dass man zögern oder die Entwicklung entschleunigen darf. Das Gegenteil muss der Fall sein. Gerade weil wir eine Verantwortung für die Risiken der Digitalisierung annehmen, müssen wir viel mehr als bisher die Qualität des Lehrens und Lernens in dieser sich digitalisierenden Umgebung annehmen.

(Vereinzelter Beifall PIRATEN)

Ich verweise in diesem Zusammenhang gerne auf die letzte Sitzung des Bildungsausschusses, in dem mein Vorstoß, jede Schule anzuhalten, eine eigenes medienpädagogisches Lehr- und Lernkonzept zu entwickeln, abgelehnt wurde. Der Kollege Vogel begründete die Ablehnung im Ausschuss damit, dass man den Schulen die Freiheit lassen wolle, selber zu entscheiden, wo sie ihre Schwerpunkte setzen wollen,

(Vereinzelter Beifall SPD)

Medien oder Gesundheit oder Häkeln. Da muss ich ganz deutlich sagen, dass das für mich der falsche Ansatz ist. Aber ich habe die Worte der Ministerin in ihrer Rede vernommen, dass sie darüber vielleicht noch einmal nachdenken will, und würde mich darüber sehr freuen.

(Beifall PIRATEN – Zuruf Martin Habersaat [SPD])

– Das sagt Martin Habersaat. – Der verantwortungsvolle Umgang mit Medien, die Abschätzung der Chancen und Risiken, die Möglichkeiten der Anwendung und der routinierte Umgang mit allen digitalen Instrumenten ist in unserer Welt eine Kulturtechnik. Wer das nicht lernt, wird sich schnell fühlen wie ein Analphabet in einer Bibliothek – mit dem Unterschied, dass die Bücher still im Regal stehen. Die digitale Entwicklung steht nicht still. Sie ist in Fahrt, wird rasant schneller, und wir sind gut beraten, das Tempo – so gut wir eben können – mitzugehen. Es gibt dazu keine Alternative. Wir sind nicht dazu verdammt, aber vor allen Dingen dazu verpflichtet.

Darum war es unser Anliegen, jede Schule für sich entscheiden zu lassen, was und wie viel sie zurzeit im Rahmen eines medienpädagogischen Lehr- und Lernkonzeptes leisten kann. Wir wissen um die großen regionalen Unterschiede. Es geht dabei nämlich nicht nur um die Leistungsfähigkeit des Schulträgers, sondern auch um die Größe der Schule und des Kollegiums. Ich bleibe dabei, dass dies ein richtiger Beschluss gewesen wäre, und ich bedaure zutiefst, dass sich auch im vorliegenden Bericht nichts finden lässt, was nicht in den Bereich der Freiwilligkeit gestellt ist.

Der Bericht gibt viel Anlass zum Nachfassen. Das gilt auch für die Hochschulen, und damit schlage ich die Brücke zur Großen Anfrage „Digitale Infrastruktur“. Wir werden auch diese im Ausschuss beraten. Aber ich möchte auf das Hochschulforum Digitalisierung verweisen, auf dem der Staatssekretär aus dem Bundesbildungsministerium darauf hinwies, dass auch die Hochschulen Orte der Persönlichkeitsbildung und des kritischen Diskurses bleiben sollen. Ich denke, dass dies auch so für unsere Schulen gilt. Sie hielten in Ihrer Rede ein Plädoyer für Bewusstseinsbildung. Das haben wir auch bitter nötig, wenn wir die Herkulesaufgabe des digitalen Wandels in unseren Bildungseinrichtungen aktiv gestalten wollen. Die Bewusstseinsbildung ist das Erste, was in unseren Köpfen erfolgen muss. Ich sehe nicht immer, dass dieser Punkt schon erledigt ist.

Zum Ende meiner Rede möchte ich noch einmal dem Ministerpräsidenten danken, dass er die Schirmherrschaft für das Open Educational Resources Festival in Berlin übernommen hat, das in unserer Landesvertretung stattfand. Ich hatte die Ehre, es besuchen zu dürfen, und war sehr begeistert von dem Engagement unserer Landesregierung, die in dem Fall nicht nur an die Gegenwart, sondern auch an die Zukunft der freien Bildung denkt. Ich möchte mich noch einmal im Namen aller Anwesenden dort bedanken. – Vielen Dank. Ich freue mich auf die Diskussion in den Ausschüssen.

(Beifall PIRATEN, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

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