Sven Krumbeck Blog

Zu Besuch auf dem 1. Flensburger Barcamp

Am 15. und 16. April fand das erste Flensburger Barcamp statt. Zwei Tage lang trafen sich rund 150 Menschen im Technologiezentrum Flensburg, um Voträge zu halten, sich welche anzuhören, in Diskussionsrunden einzusteigen und sich auszutauschen. Die Teilnehmer konnten an mehr als 30 themenoffenen Sessions ihr Wissen vermitteln und weiter geben. Die Bandbreite der Themen war dabei groß, der Wissensaustausch intensiv und die Gelegenheiten zum Networking vielfältig. Technologie, Medien und Entrepreneurship bildeten die inhaltlichen Schwerpunktthemen im Rahmen dieses neuen Veranstaltungsformates. Aber zunächst einen kleinen Überblick:

Was ist eigentlich ein Barcamp?
BARCAMP. Unkonferenz, also eine offene Tagung, die den Teilnehmern frei und ungezwungen die Möglichkeit gibt, zu einem bestimmten Themenschwerpunkt zu diskutieren.
SESSION. Das Herzstück eines Barcamps sind die Diskussionsworkshops, die jeweils rund 45 Minuten dauern. Der Sessiongeber gibt einen Impuls zu einem bestimmten Thema und leitet die Diskussion ein.
SESSIONPLANUNG. Die Tagesordnung entsteht erst am Konferenztag selbst, wenn Sessionvorschläge präsentiert werden und die Teilnehmer darüber abstimmen.

Die wichtigsten Barcamp-„Regeln“ auf einen Blick
KEINE ZUSCHAUER. Es gibt nur Teilnehmer. Zurücklehnen und Zuhören gibt es nicht – es geht um Diskussion und Austausch.
GEPLANT UNGEPLANT. Die Tagesordnung entsteht erst am Konferenztag selbst während der Sessionplanung.
GLEICHBERECHTIGUNG. Jeder kann die Themen mitbestimmen und tritt gleichberechtigt mit allen anderen auf.
FLEXIBILITÄT. Wer während einer Session feststellt, dass er etwas anderes erwartet hat oder sich einfach nicht für das Thema interessiert, kann den Raum jederzeit verlassen und zu einer anderen Session wechseln / Es laufen immer mehrere Sessions parallel, gern kann zwischendrin der Workshop gewechselt werden.
MITMACHEN. Jeder einzelne trägt seinen Teil zum Erfolg des Camps bei.
KEINE SCHEU. Auch unreife Ideen oder Konzepte in der Anfangsphase sind für andere interessant und können gern vorgestellt und diskutiert werden.
KEINE HIERARCHIEN. Die berufliche Position der Teilnehmer spielt keine Rolle, vielmehr geht es um ihre Ideen. [1]

Freitagmorgen, 10:00 Uhr. Nach einem gemeinsamen Frühstück und IMG_20160415_105419einem ersten Kennenlernen, haben die Organisatoren sich und ihre zahlreichen Unterstützer und Sponsoren (u.a. die Staatskanzlei S-H, sh:z das medienhaus, DiWiSH, mac IT-Solutions, wireg Technologiezentrum, FIEGE und noch viele mehr) vorgestellt. Anschließend haben wir mit der Sessionplanung begonnen.

Den ersten Vortrag, den ich mir angeguckt habe lief unter dem Titel „Kreative Leute machen kreative Dinge“. Der Chaostreff Flensburg e.V. hat seine Arbeit vorgestellt und die eigentliche Idee hinter dem ‚Hacken‘ erklärt. Dem Chaos Computer Club e.V. nahe stehend, sind sie als Deutschlands nördlichster Chaostreff eine Gruppe Technikinteressierter mit Spaß am Gerät. Sie betreiben in der Flensburger Innenstadt einen Klub-Raum (Hackerspace), in dem Mitglieder täglich ab 17:00 gemeinsam programmieren, löten und an diversen Projekten arbeiten. Zusätzlich finden regelmäßig Veranstaltungen statt, die jedem Menschen offenstehen und in denen sie der Allgemeinheit den Umgang mit neuer Technik nahe bringen.IMG_20160415_121855
„Hacken“, so einer der Referenten, „ist, sich etwas zu nehmen – was nicht unbedingt technisch sein muss – , es zu verändern und etwas Neues daraus zu machen.“ So hat der Chaostreff schon viele coole und interessante Projekte verwirklichen können. Unter anderem Project Mapping und 3D-Druck. Der Fördefunk ist eines der größten Projekte des Hackerspace. Es handelt sich dabei um ein öffentliches WLAN, bei dem Flensburger einen Teil ihrer Bandbreite zur Verfügung stellen können, um so den Nutzern freies und anonymisiertes Internet zu bieten. Viele Touristen aus Dänemark, aber auch Schüler, Studenten, Flüchtlinge und viele Andere profitieren von diesem Angebot.

„Von Hunden, Pokern, Philosophen und Daten – ‚BigData‘-Wirtschaft und die Frage nach Gerechtigkeit“ lautete der Titel einer Session von Nadine Sutmöller (Uni Flensburg), die ich am zweiten Tag des Barcamps besucht habe. Sie stellte gleich IMG_20160416_105648zu Anfang die These in den Raum: Ohne Datenanalyse seien Unternehmen teilweise ihrer Sinne beraubt. Durch BigData-Analysen müsse man weniger spekulieren, könne besser in die Zukunft planen und individueller auf Kunden eingehen. Allerdings gibt es auch Kritik. Ein Smartphone, das Essen bestellt, bevor ich selber weiß, dass ich hunger habe, bedeute nicht unbedingt eine Entlastung sondern totale Bevormundung.
John Rawls hat in den 60ern und 70ern die „Theorie der Gerechtigkeit! entwickelt. Dain heißt es: „Eine Gesellschaft ist dann gerecht, wenn Strukturen ihrer Institutionen gerecht sind. Facebook wird täglich von einer Milliarde Menschen genutzt. Daher sei das Unternehmen als gesellschaftliche Institution zu begreifen. Aber sind die Strukturen gerecht? „Habe ich noch eine Konsumentensouveränität?“ „Bin ich noch Herr darüber, was mir im Internet angezeigt wird?“ „Ist es gerecht, wenn Unternehmen entscheiden, was ich sehe?“ Der Newsfeed-Algorithmus wird von Greg Marra und seinem 16-köpfigen Team geschrieben. Dadurch sehen wir nur ein Fünftel von dem, was wir eigentlich sehen könnten und diese 17 Menschen entscheiden darüber, woraus sich dieses Fünftel zusammensetzt. Empörung sei eine Reaktion auf Ungerechtigkeit, so Sutmöller. In Bezug auf den Algorithmus habe sie keine Empörung feststellen können. Entweder liegt als keine Ungerechtigkeit vor oder die Bequemlichkeit der Nutzer überwiegt. Es entbrannte eine spannende Diskussion über die Thematik, allerdings fehlte die Zeit um zu einem gemeinsamen Schluss zu kommen.

Das Barcamp war ein voller Erfolg und soll nächstes Jahr wieder stattfinden. Ich habe viele interessante neue Menschen kennengelernt und an spannenden Diskussionen und Sessions teilnehmen dürfen!


[1] http://www.opentransfer.de/5901/was-ist-eigentlich-ein-barcamp/

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