Sven Krumbeck Blog

Digitaler Sprachunterricht für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein

Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sven Krumbeck und Angelika Beer (PIRATEN)
und
Antwort der Landesregierung
– Minister für Inneres und Bundesangelegenheiten

 

Digitaler Sprachunterricht für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein

1. Sind der Landesregierung Initiativen anderer Bundesländer im Bereich „Digitaler Sprachunterricht für Flüchtlinge“ bekannt?
Wenn ja, welche?

Antwort:
Dem Land Schleswig-Holstein ist im Bereich der Sprachförderung für erwachsene Flüchtlinge nach aktuellem Stand bekannt, dass lediglich das Land Niedersachsen über eine digitale Sprachförderung im Bereich erwachsener Zuwanderer verfügt.

In diesem sog. MOVIS-Modellprojekt (Virtuelle Sprachqualifizierung für Migrantinnen und Migranten in Niedersachsen) können Aussprache und Grammatik via Smart-phone mobil genutzt werden. Das Land Niedersachsen verfolgt hiermit die Idee, die lange Zeit zwischen der Ankunft eines Flüchtlings in Deutschland, der Antragstellung auf Asyl und dem Abschluss des Asylverfahrens für den Spracherwerb zu nutzen.
Das Land Schleswig-Holstein bietet in dieser Phase bereits sprachliche Erst-orientierungsmaßnahmen in Erstaufnahmeeinrichtungen in Form von Willkommens-kursen sowie nach der Verteilung in die Kommunen sogenannte Starterprogramme vor Ort an.

2. Beabsichtigt die Landesregierung entsprechende Initiativen in Schleswig-Holstein umzusetzen? Wenn ja, welche Initiativen sind dies und bis wann sollen diese umgesetzt werden?

Antwort:
Für das Land Schleswig-Holstein stellt der Deutsche Volkshochschul-Verband mit dem bundesweit angelegten kostenfreien Lernportal www.ich-will-deutsch-lernen.de bereits ein Instrument zur Unterstützung der sprachlichen, gesellschaftlichen und beruflichen Integration von Zugewanderten zur Verfügung.

Das Angebot umfasst einen Deutschkurs auf den Niveaustufen A1 – B1, der das Rahmencurriculum für Integrationskurse mit digitalen Lernmaterialien umsetzt. Außerdem bietet das Portal einen Deutschkurs auf A1-Niveau mit umfangreichem Material zur Alphabetisierung in der Zweitsprache Deutsch. Weiter kann die Arbeits- und Berufssprache Deutsch in 30 branchenübergreifenden Szenarien aus elf berufsbezogenen kommunikativen Handlungsfeldern erlernt und verbessert werden.

Das Portal ist für selbstständig Lernende ebenso nutzbar wie als Material und Begleitmedium im Kontext von Integrations- oder anderen Deutschkursen. Darüber hinaus können sich Kursleitungen registrieren und eigene Lerngruppen anlegen. Sie betreuen diese Gruppen dann als Online-Tutoren. Lernende, die sich individuell anmelden, werden von DVV-Tutoren betreut.

Als Soforthilfe wird zudem die App „Einstieg Deutsch“, die Neuankömmlinge beim Arztbesuch, beim Behördengang, bei Notfällen, bei Gesprächen mit dem Camp-Management und in vielen anderen Lebenssituationen begleitet, angeboten.

Darüber hinaus bestehen im Bereich der Hochschulen entsprechende Maßnahmen. Die Fachhochschule Lübeck hat gemeinsam mit ihrer Ausgründung Oncampus eine Online-Plattform eingerichtet, auf der Geflüchtete an kostenlosen Online-Kursen teilnehmen und sich vernetzen können. Zum 1. Februar 2016 startete auf „mooin“ (https://mooin.oncampus.de) der MOOC (Massive Open Online Course) „Kontrastives Aussprachetraining für syrische Deutschlerner (DEU4ARAB)“ mit bisher mehr als 2200 Teilnehmer/innen. Er wurde gemeinsam mit dem Virtual Linguistics Campus und Jürgen Handke, Professor für Linguistik und Sprachtechno-logie an der Philipps-Universität Marburg, entwickelt und soll syrischen Deutsch-lernern und Geflüchteten die deutsche Aussprache näher bringen. Darüber hinaus finden sich auf der Seite integration.oncampus.de ein alltagsnaher videobasierter Deutschlernkurs für Arabisch-Muttersprachler sowie Verlinkungen zum Online-Deutschlernangebot der VHS, zum Changemaker MOOC der CAU Kiel und zu den MOOC Plattformen iMoox und OpenClassrooms. Kooperationen mit weiteren MOOC-Plattformen sind in Planung.

Bereits seit September 2015 können sich Flüchtlinge an Fachhochschulen auf ihre berufliche Laufbahn vorbereiten, einen Einblick in das deutsche Fachhochschul-studium gewinnen und ihre Deutsch- und Englischkenntnisse innerhalb des ent-sprechenden Fachgebiets verbessern. Dies erfolgt entweder per Online-Weiter-bildung im eigenen Lerntempo oder in von einem Kursmentor betreuten Kursen, die nach bestandener Prüfung auf ein Studium in Deutschland angerechnet werden können. Um den Teilnehmer/innen entgegenzukommen, die sich zum Teil noch im
Ausland befinden, wird anstatt einer Präsenzprüfung eine Projektarbeit mit Präsentation über Webkonferenz angeboten.

Derzeit sind für die Angebote für Geflüchtete mehr als 3600 Registrierungen erfolgt (Stand 12.4.2016). Das Angebot wurde für Flüchtlinge konzipiert, steht aber jedem Interessenten offen. Der Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen wird aus-drücklich begrüßt. Nach der jüngsten Kursauswertung des DEU4ARAB-Kurses stammen 50,3% der Teilnehmer/innen aus Syrien, 55,9% halten sich aktuell in Deutschland auf. 43,6% der Teilnehmer/innen gaben an, ein noch laufendes Asyl-verfahren in Deutschland zu haben, und 10,6% befinden sich nach Selbstaussage noch auf der Flucht.

Die Fachhochschule Lübeck ist zudem Ende 2015 Partnerhochschule der „Kiron Open Higher Education“ geworden, einem internationalen Bündnis, das insbeson-dere Flüchtlingen virtuelle Lernumgebungen und ein gezieltes Mentoring für einen Studieneinstieg bietet. Das Online-Kursangebot auf integration.oncampus.de steht den Kiron-Studierenden offen. Die Fachhochschule Lübeck bereitet derzeit die Aufnahme von Kiron-Studierenden in höhere Semester ihrer Online-Studiengänge vor.“

Eine finanzielle Förderung wird – sofern Haushaltsmittel bereitstehen – im Rahmen des Maßnahmenpaketes der Landesregierung zur Integration von Flüchtlingen an den schleswig-holsteinischen Hochschulen bzw. ggf. durch Bundesmittel geprüft.

3. Beabsichtigt die Landesregierung entsprechende Initiativen zu fördern? Wenn ja, welche konkreten Initiativen werden, in welcher Weise, gefördert?

Antwort:
Oncampus ist als Ausgründung aus der Fachhochschule Lübeck Partner im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung (KoFW), das aus EFRE- und Landesmitteln gefördert wird (Jahresbudget incl. Eigenanteil rd. 500.000 Euro). Die bundesweit herausragende Kompetenz der renommierten Lübecker Experten wird über das KoFW bereits jetzt im Rahmen von innovativen Projekten für digitales Lernen im Bereich der beruflichen Bildung genutzt. Da Flüchtlinge eine große Rolle spielen können, um die wachsende Fachkräftelücke in Schleswig-Holstein zu schließen, werden die Aktivitäten von Oncampus in Kooperation mit dem Institut für Lerndienstleistungen der Fachhochschule Lübeck auch weiterhin begrüßt und im Rahmen der Arbeit der Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ unterstützt.

Darüber hinaus fördert das MJKE den Landesverband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein in 2016 institutionell mit insgesamt 2.060 T Euro. In diesem Rahmen werden auch entsprechende Projekte unterstützt.

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