Sven Krumbeck Blog

Rede zu TOP 8: Schulübergangsempfehlung

42. Sitzung des Landtags – Mittwoch, 27. April 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn es um Kampfgeist geht, hat sich Napoleon Bonaparte ganz sicher in die Ewigenliste der Besten durch seine Leistungen eingetragen. Er soll gesagt haben, dass die Hartnäckigen am Ende die Schlachten gewinnen. Über seinen Lebensweg will ich nicht sprechen, wohl aber über die Parallele – was die Hartnäckigkeit angeht – zu Kollegin Klahn. So ein bisschen Bonaparte steckt schon in ihr, wenn man betrachtet, mit wie viel Hartnäckigkeit sie die Gesetzmäßigkeiten des gegliederten Schulwesens allen aktuellen politischen Gegebenheiten immer wieder zu revitalisieren versucht.

Liebe Kollegen, das ringt mir schon Bewunderung ab und auch wenn die Schlacht um das Schulsystem in dieser Legislaturperiode für die FDP verloren scheint, droht sie immer damit, die gute alte Zeit nach der nächsten Landtagswahl wieder herzustellen.

Aktuell ging es um die Schulübergangsempfehlung und ich muss an dieser Stelle einräumen, dass mich die Ergebnisse der schriftlichen Anhörung, die wir dazu im Bildungsausschuss durchgeführt haben, nachdenklich gemacht haben.

Ich war und ich bin davon überzeugt, dass unser neues Schulsystem auf zwei weiterführenden Säulen zum Abitur richtig ist. Daher kam mir nicht überzeugend in den Sinn, dass wir noch die guten, alten Schulübergangsempfehlungen brauchen. Wir wollen die inklusive Schule, wir wollen endlich weg vom Schubladensystem, wir wollen nicht selektieren, sondern jedem Kind seine individuelle und daher nicht vergleichbare positive Lernbiographie ermöglichen. Mein „Nein“ in der der ersten Runde zum diesem Thema war überzeugt.

Die Anhörung war für mich aber nicht eindeutig. Nur eine eine Stimme hat die Mehrheit gegen die Wiedereinführung der Schulübergangsempfehlungen gesichert. Ausgerechnet die Eltern der Förderschulen oder die Schüler der Beruflichen Schulen haben sich für die Schulübergangsempfehlungen ausgesprochen.

Das ist – und das gestehe ich hier ganz offen ein – viel weniger Widerstand gegen die von Frau Klahn geforderte Schulübergangsempfehlung, als ich angenommen habe.
Ich wäre kein Pirat, wenn ich dieses knappe Ergebnis nicht ernst nehmen würde, wenn ich das nicht ernst nehmen würde, was die Menschen, die wir selbst als Experten benannt haben, uns sagen.

Ich bleibe im Kern bei meiner Auffassung: die klassischen Schulübergangsempfehlungen sind ein Produkt vergangener Zeiten. Das Resultat der Anhörung zeigt mir aber, dass wir mehr individuelle Beratung brauchen. Eltern und Schüler wünschen sich den Rat der Lehrer. Sie wünschen sich mehr und gezieltere Beratung. Das habe ich aus den Beratungen mitgenommen. Von daher danke ich der Kollegin Klahn für die ihre Hartnäckigkeit in dieser Sache, auch wenn ich ihr nicht zurück in die bildungspolitische Vergangenheit folgen werde und den Gesetzentwurf in der vorgelegten Form ablehnen muss. Ich sehe aber Optimierungsbedarf – da sollten wir gemeinsam überlegen, wie wir das zeitgemäß auf den Weg bringen können.

Vielen Dank!

About 

0 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *