Sven Krumbeck Blog

Mein Besuch auf der re:publica #rpTEN

Vom 2. bis zum 4. Mai war ich in Berlin auf der größten Internetkonferenz Deutschlands, der re:publica. Es ist eines der weltweit wichtigsten Events zu den Themen der digitalen Gesellschaft. Seit ihren Anfängen 2007 mit 700 BloggerInnen hat sie sich zu einer „Gesellschaftskonferenz“ mit über 8.000 TeilnehmerInnen aus allen Sparten bei der Jubiläums-Ausgabe re:publica TEN entwickelt. Hier vermitteln die VertreterInnen der digitalen Gesellschaft Wissen und Handlungskompetenz und diskutieren die Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft. Sie vernetzen sich mit einem heterogenen Mix aus AktivistInnen, WissenschaftlerInnen, HackerInnen, UnternehmerInnen, NGOs, JournalistInnen, BloggerInnen, Social Media- und Marketing-ExpertInnen und vielen mehr. Dadurch entstehen Innovationen und Synergien zwischen Netzpolitik, digitalem Marketing, Netz-Technologie, der digitalen Gesellschaft und (Pop-)Kultur. Rund 46 Prozent der SpeakerInnen auf der re:publica TEN waren weiblich, kaum eine andere Veranstaltung mit vergleichbarer Ausrichtung kann eine ähnlich ausgewogene Besucherstruktur vorweisen.IMG_20160502_152517

Die Jubiläums-Ausgabe re:publica TEN im Mai 2016 war ein Rekord-Event mit einer unglaublichen Zahl von 8.000 BesucherInnen, 770 internationalen SpeakerInnen aus 60 Ländern mit 500 Stunden Programm – und einem fünfminütigen Feuerwerk bei der Abschluss-Party. Jung und Alt war auf den 17 Stages der re:publica vertreten – vom jüngsten Speaker mit 11 Jahren bis zum renommierten Richard Sennett mit 73 Jahren. Die re:publica 2016 brachte Menschen aus allen Kontinenten zusammen. Mehr als 8.000 TeilnehmerInnen und mehr als 800 akkreditierte, internationale JournalistInnen tummelten sich vom 2. bis 4. Mai 2016 in der prall gefüllten STATION Berlin und dem Kühlhaus nebenan.

Die Konferenz war für mich persönlich eine große Bereicherung. Ich konnte neue und interessante Menschen kennen lernen, es gab Vieles zu entdecken und in den zahlreichen Sessions habe ich viel Neues erfahren können. Unter anderem habe ich folgende Vorträge und Talks besucht (über einige davon werde ich noch im Detail berichten):

Digitale Bildung – von Jöran Muuß-Merholz

2016 ist #digitaleBildung in Deutschland trending topic. Politik und Pädagogik halten das Thema für relevant, Familien und Feuilleton finden es wichtig, Wirtschaft hat es schon immer gewusst, und Wissenschaft wird’s irgendwie auch noch merken. „2016 – das war der tipping point!“ Das wird später in den Geschichtsbüchern stehen, wenn um die Digitalisierung von Hoch- und Volkshoch- und allen anderen Schulen geht.
Jöran Muuß-Merholz dazu: „Unsere Ansprüche sind dramatisch zu niedrig! Unsere Forderungen müssen viel höher formuliert werden. Sie müssen realistischer sein! Und die Realität ist: Die Herausforderungen an unsere Gesellschaft, an uns Menschen, an unsere Bildung steigen rasant – also müssen auch unsere Ansprüche in Sachen Bildungswandel rasant formuliert werden!
Es reicht nicht aus, wenn wir mit digitalen Hilfsmitteln das Lernen effizienter, schneller, bunter, einfacher, individueller oder lustiger machen. Auch ein Schulfach ‚Programmieren‘ für junge Menschen oder ein paar Online-Kurse für die älteren sind nicht mehr als nette Gimmicks. Der anstehende Umbau unserer Bildungsinstitutionen im digitalen Zeitalter muss wesentlich umfassender, anspruchsvoller und komplexer werden, als wir ihn bisher diskutieren.“

Jugendschutz im Internet

Man kennt es von DVDs: Diese sind ohne Altersbeschränkung, ab 6, 12, 16 oder 18 Jahren freigegeben. Dieses Prinzip soll nun auch für Websites gelten. So soll für jede einzelne (deutsche) Seite vermerkt werden, für welche Altersstufe sie geeignet ist.
Der Staatsvertrag über den Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien (kurz: Jugendmedienschutz-Staatsvertrag oder JMStV) enthält Regelungen, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der Nutzung von Angeboten in Rundfunk und Telemedien sicherstellen sollen. 2010 gab es den Versuch einer Novellierung. Dieser sah vor, dass (deutsche) Websites eine verpflichtende Alterskennzeichnung erhalten sollten. Die Einstufung sollte von dem Inhalteanbieter selbst durchgeführt werden, der sich aber natürlich auch bei bestimmten Einrichtungen Hilfe hätte holen können. Im Netz formierte sich großer Widerstand, da es an dem Entwurf viel zu kritisieren gab. Der damalige JMStV-E scheiterte kurz vor knapp an den Landesparlamenten in NRW und Schleswig-Holstein.
In dieser Session wurde der JMStV vorgestellt. Im Anschluss haben wir gemeinsam darüber diskutiert, welche alternativen Ansätze möglich wären, um Jugendschutz im Internet sicherzustellen.

Terror ernst nehmen – Terroristen auslachen

Der IS kontrolliert die Berichterstattung aus den von ihm beherrschten Gebieten. Doch statt die durch die Terrororganisation produzierten Bilder und Erzählungen zu hinterfragen, übernehmen wir diese bereitwillig – Medien, Institutionen und Publikum gleichermaßen. Die Folge: Terrorangst ist überall.

Unerzählt bleiben bislang die Geschichten von JournalistInnen und AktivistInnen, die dem Terror unter Lebensgefahr mit Sachlichkeit und Humor entgegentreten. Genau auf diese mutigen Formen von Bürgerjournalismus und zivilgesellschaftlichem Engagement kommt es aber an, um in unserer westlichen Mediengesellschaft dem Kalkül des IS mit unserer Sensationsgier etwas entgegenzusetzen.

Wir stellen Projekte und Personen vor, die sich dem IS sowohl mit sachlicher Berichterstattung als auch mit Satire entgegenstellen. Dazu gehören unter anderem Projekte wie „Raqqa Is Being Slaughtered Silently“, @isis_karaoke und die Datteltäter oder Meme wie #Allahuquackbar (unbedingt mal reinschauen!).

Humor und Satire in Form von YouTube-Videos, Comics und Hashtags sollen dem Terror den Schrecken nehmen. Der Comic Relief zerstört den vom IS erwünschten Effekt – aber das funktioniert nur, wenn die Gegenerzählung sich auch viral verbreitet. Erfolglose dröge Aufklärungsprojekte (z.B. auf religiösen Fernsehsendern in Saudi-Arabien) haben keine Chance gegen gut klick- und teilbare Internetmeme – Satire muss genauso cool, interessant und spannend sein wie die IS-Propaganda.

Hier findet Ihr mehr zur re:publica 2016.

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