Sven Krumbeck Blog

Rede zu TOP 27: Medienkompetenzförderung in Schleswig-Holstein sichern – Rundfunkbeitrag stabil halten

44. Sitzung des Landtags – Donnerstag, 9. Juni 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

kennen Sie zufällig das Projekt „Eltern-Medien-Lotsen“? Wie man schon hört, ist das ein Projekt, das sich hauptsächlich an Eltern richtet. Und wie Sie vermutlich wissen, trifft das auf mich nicht zu. Aber doch auf viele von Ihnen. Darum möchte ich Ihnen kurz davon erzählen.
In dem Projekt werden Eltern zu sogenannten Medienlotsen ausgebildet. Diese gehen dann als Multiplikatoren wieder an Schulen oder zu Elternabenden und geben ihr Wissen weiter. Und wie machen sie das? Indem sie Antworten auf Fragen geben und teilweise helfen, die richtigen Fragen erstmal zu stellen.

Ich möchte ihnen einige Beispiele geben:

  • Wie nutzt mein Kind das Internet?
  • Was macht mein Kind im Internet?
  • Wie lange ist mein Kind im Internet?
  • Wie lange sollte mein Kind im Internet sein?
  • Was ist Counterstrike?
  • Was ist Twitter?
  • Was ist Snapchat?
  • Wie sollte man mit Online-Mobbing umgehen?
  • In welchem Alter sollte ich meinen Kindern welche Apps erlauben?
  • Kann oder sollte ich meinen Kindern überhaupt Apps verbieten?

Sie merken schon, das sind alles Fragen, die die Eltern beschäftigen. Die ihnen auch Sorge bereiten und zwar häufig nicht aus prinzipieller Ablehnung gegenüber modernen Medien, sondern einfach aus Unsicherheit. Das ist auch völlig verständlich wenn man bedenkt, dass selbst ich inzwischen Mühe habe die neusten Trends zu erkennen und vor allem zu verstehen.
Deswegen sind Projekte wie die Eltern-Medien-Lotsen so wichtig: Die Lotsen helfen, sie beraten, sie geben Orientierung. Sie sind in der Regel selbst Eltern und wissen genau – vermutlich genauer als jedes Ministerium – wo den Eltern vor Ort der Schuh drückt. Man könnte das auch als „bürgernah“ im besten Sinne bezeichnen.
Ich denke Sie alle können erkennen, wie wertvoll und wichtig Projekte wie die Eltern-Medien-Lotsen sind. Und diese Projekte sind zur Zeit in Gefahr, weil die Finanzierung wegzubrechen droht. Und dann gibt ja bald noch den 6. Medienänderungsstaatsvertrag. Dort ist vorgesehen, Medienkompetenzförderung von einer „Muss“-Aufgabe in eine „Kann“-Aufgabe umzuwandeln. Fehlende Verpflichtung + Weniger Geld: Damit ist die Einstellung der Medienkompetenzförderung praktisch sicher. Oder totsicher, wenn Sie so wollen.

Nun wissen Sie so gut wie ich, dass mit dem Medienänderungsstaatsvertrag noch ganz andere Sachen auf uns zukommen. Ich sage nur: „Wegfall der Anbieterabgabe“.
Wir werden es in Zukunft schwer genug haben, unsere Medienanstalt zu finanzieren. Und nicht nur die, die Filmförderung und die Filmwerkstatt sind davon ja genauso betroffen wie der Offene Kanal.
Darum bitte ich die Landesregierung, sich im Rahmen der Ministerkonferenz dafür stark zu machen, dass der Rundfunkbeitrag nicht gesenkt wird. Und da ich schon vereinzelt gehört habe, das Bildungsministerium würde ja sowieso Medienkompetenz fördern und die Schulen diese Aufgabe erfüllen: Das kann ich so nicht unterschreiben. Wir alle wissen um die prekäre Unterrichtsversorgung und ich möchte hier nochmal darauf hinweisen: Digitales Lernen ist nicht gleichbedeutend mit Medienkompetenztraining. Einen Laptop, ein Tablet oder ein Smartphone in der Hand zu halten macht einen noch nicht zu einem souveränen und kompetenten Nutzer.

Der Vorschlag, den Rundfunkbeitrag nicht zu senken ist nicht besonders populär, das ist mir wohl klar. Und auch wir Piraten haben ja eine kritische, wenn auch nicht ablehnende Haltung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegenüber. Aber in diesem Fall spricht ja auch noch ein anderes Argument dafür:
Sie kennen vermutlich die Schätzungen der KEF, dass wir bei einer Senkung jetzt, den Beitrag spätestens 2019 massiv erhöhen müssen. Das ist nun auch nicht im Sinne des Erfinders, zumal der Aufschrei über unseren teuren öffentlich-rechtlichen Rundfunk dann wieder groß sein wird.
Also versuchen wir doch lieber jetzt, den Beitrag stabil zu halten und ersparen uns das rauf-und-runter der Beiträge. Denn wenn wir die Beiträge nach dem Motto „Ein Schritt runter, zwei Schritte rauf“ festlegen, dann wird das da draußen im Land erst recht niemand verstehen.

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