Sven Krumbeck Blog

Die Entwicklung des Digitalen Lernens unter der Führung von Ministerin Ernst – Eine Abrechnung

Im Juli veröffentlichte das IQSH die Landesweite Umfrage zur IT-Ausstattung und Medienbildung der Schulen in Schleswig-Holstein 2016, das Update zur Umfrage von vor zwei Jahren. Man kann schwarz auf weiß sehen, in welchen Punkten die Politik von Ministerin Britta Ernst Früchte getragen hat und in welchen nicht. Es hat sich einiges verbessert, so nutzen inzwischen 31,6 % der Schulen Breitbandanschlüsse und fast zwei Drittel verfügen über feste WLANs. Allerdings hat sich im Bereich der Endgeräteausstattung nahezu nichts verändert und auch die Entwicklungshemmnisse sind dieselben wie im Jahr 2014.

Besonders erfreulich ist auch die Ankündigung von Ministerin Ernst, zukünftig noch mehr Geld für die Förderung nachhaltiger Medienprojekte an Modellschulen in die Hand nehmen zu wollen. Ab dem kommenden Jahr soll die Förderung auf 500.000 Euro erhöht werden, davon sind 200.000 Euro für eine weitere Wettbewerbs- runde und damit neue Modellschulen reserviert. Nach den Herbstferien werde laut Ernst die neue Ausschreibungsrunde gestartet. Darüber hinaus sollen zwölf Medienberaterinnen und -berater beim Aufbau von regionalen Netzwerken helfen.

Aber nun zur Entwicklung an den Schulen in den letzten zwei Jahren:

Die Internetanbindung hat sich, wie bereits erwähnt, sehr stark verbessert. Knapp ein Drittel der Schulen verfügen inzwischen über Anschlüsse wie VDSL, Glasfaser und Kabel. Damit hat sich der Anteil der Schulen mit diesen schnellen Anschlussarten im Vergleich zur Erhebung von 2014 mehr als verdoppelt. Fast zwei Drittel der Schulen (63,4 Prozent) verfügt über feste WLANs.
Diese Zahlen klingen vielversprechend. Allerdings stellt sich auch die Frage: Wem nützt ein WLAN und eine schnelle Internetanbindung wenn es nicht genutzt wird? An 35,8 Prozent der Schulen ist das WLAN nämlich nur für die Lehrkräfte zugänglich.

Auch die Computer-Schüler-Relation bleibt unverändert: In der Regel kommen 8 Schüler auf ein Gerät. Stationäre PC sind dabei deutlich am stärksten vertreten, während Laptops und insbe- sondere Tablets mengenmäßig einen eher geringeren Anteil haben. Über die Hälfte der vorhandenen Endgeräte an den Schulen befinden sich außerdem in Computerräumen.

„Bring-Your-Own-Device“ geistert als Modell seit einigen Jahren durch unsere Schullandschaft. Es könnte eine Computer-Schüler-Relation von 1 zu 1 schaffen und gilt als eine interessante Strategie.

„Persönliche, individualisierbare digitale Endgeräte spielen im Leben, Lernen und Arbeiten eine immer größere Rolle. Unter dem Stichwort »Bring Your Own Device« (BYOD) rückt die Nutzung von privaten Endgeräten nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in der Schule zunehmend in den Fokus.“

So unfassbar geschönt wird in dem Bericht der Punkt ‚BYOD‘ eingeleitet. Betrachtet man nur wenige Zeilen darunter die Statistiken, kommt einem nur ein einziger Gedanke: „Eine immer größere Rolle“ sieht definitiv anders aus!
An fast 60 Prozent der Schulen werden die privaten Geräte der Schülerinnen und Schüler nie im Unterricht eingesetzt. An 35 Prozent der Schulen war die Antwort immerhin „selten“. Nur knapp 7 Prozent gaben an die schülereigenen Geräte oft bis sehr oft einzusetzen. Eine fast traurig kleine Zahl.

Aber im Bereich Medienbildung ist eine Entwicklung festzustellen. Gut zwei Drittel aller Schulen haben das Thema konzeptionell verankert, entweder im eigenen Medienkonzept, in einem Mediencurriculum, im Schulprogramm oder in den Fachcurricula.

Die Entwicklungshemmnisse haben sich in den letzten zwei Jahren nicht verändert. Nach wie vor werden als Hauptgründe für die schleichende Entwicklung eine veraltete oder nicht funktionierende Ausstattung, mangelnde Internetbreite, nicht aus- reichende finanzielle Möglichkeiten sowie eine nicht ausreichende Qualifizierung der Lehrkräfte genannt.

Es gibt also noch einige Schrauben an denen gedreht werden muss, bis wir endlich auf einem Stand sind mit dem wir zufrieden sein können. Ein bisschen was hat sich seit 2014 ja getan. Dafür, dass die Bildungsministerin das Thema „Digitales Lernen“ zu ihren Hauptaufgaben gemacht hat ist ziemlich wenig passiert. Gerade die Tatsache, dass die Entwicklungshemmnisse die gleichen geblieben sind, zeigt deutlich, dass an den falschen Stellen angesetzt worden, ist.


Die komplette Ausgabe „Landesweite Umfrage zur IT-Ausstattung und Medienbildung der Schulen in Schleswig-Holstein 2016“ findet Ihr hier.

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