Sven Krumbeck Blog

Rede zu TOP 42: Befristete Verträge von Lehrkräften – Kettenverträge

45. Sitzung des Landtags – Mittwoch, 21. September 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Mai letzten Jahres titelt eine schleswig-holsteinische Tageszeitung:
„Das Land zeigt sich hier als mieser Arbeitgeber“. Hintergrund war eine Kleine Anfrage von mir nach Kettenverträgen und befristeten Verträgen von Lehrkräften und deren Entlassung mit dem Beginn der Sommerferien.
Obwohl das Ministerium lang und breit erklärte, warum diese Praxis absolut in Ordnung sei, versprach man damals:
„ Wir nehmen das Ergebnis der Anfrage noch einmal zum Anlass, jeden Fall genau zu überprüfen!“ – die Tageszeitung vermutete dahinter, dass für die betroffenen Lehrkräfte noch einmal Bewegung in ihre Angelegenheiten käme.
Das Ergebnis dieser ‚Bewegung‘ hat ein gutes Jahr später die Kollegin Klahn noch einmal abgefragt.
Während 2015 6,6% der Lehrer befristet angestellt waren, sind es heute 8 %.
Sind wir ehrlich: So richtig positiv war diese Bewegung nicht.
Viel wurde damals versprochen, aber das ist so mit Daten – auf dem geduldigen Papier sieht das oft gut aus, aber in der Praxis bewährt es sich nicht.

Auf dem Papier klappt das mit dem Vertretungskonzept für Unterrichtsausfall gut – in der Praxis weniger.
Auf dem Papier stand ein Bericht nebst Konzept. Beides sollte den prekären Beschäftigungsverhältnissen von Lehrern begegnen. Getan hat sich praktisch nüscht und das stößt bei den Betroffenen, den Eltern, Schülern und Berufsverbänden auf Unwillen, den ich gut verstehen kann. Perspektivisch ist das eine Katastrophe, denn die Besten werden gehen und Lehrermangel wird sich weiter verschärfen. Weil das Land nicht steuernd eingegriffen hat.
Weil das Land sich bei der Werbung um Lehrer zu schwer tut.

Zum Schuljahresbeginn wurde zwar auf eine Kampagne verwiesen: ‚Wir bieten Klasse – Lehrer gesucht“ – oder so ähnlich, aber wer sich die tatsächliche Arbeitssituation zu vieler junger, gut ausgebildeter Lehrerinnen und Lehrer ansieht – und die Kleine Anfrage der Kollegin Klahn ist dafür ein gutes Dokument – merkt, dass zwar Klassen, aber nicht immer Klasse geboten wird.
Daher finde ich es sehr treffend, wenn die FDP den Begriff der ‚Fürsorgepflicht‘ gegenüber der Lehrerschaft ausdrücklich in der Überschrift ihres Antrags benennt.

Immer wieder haben wir uns im Ausschuss darüber informieren lassen, dass es nicht auf Strukturen oder Organisationsformen ankommt, wenn es um die Qualität des Unterrichts geht, sondern dass vor allem die Motivation, Ausbildung, die Bereitschaft und Flexibilität des Lehrers über die Güte in unseren Schulen entscheidet. Das allein sollte genügen, um diesen Personal-Schatz zu hüten und zu pflegen, stattdessen erhalten Lehrer hier nicht selten den Status eines Saisonarbeiters zum Dumping-Lohn bei höchstem Stress-Faktor. Das ist nicht angemessen und darum unterstützen wir die Initiative der FDP.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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