Sven Krumbeck Blog

Rede zu TOP 39: Bericht über das Ergebnis der Verhandlungen mit Hamburger über ein neues Gastschulabkommen

45. Sitzung des Landtags – Freitag, 23. September 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Wahlkampfmaschinerie läuft an und so erhält die Regierung auf Antrag der sie tragenden Fraktionen immer wieder die Gelegenheit, eigene Erfolge hier noch einmal darzulegen, obwohl dies schon lang und breit in der Presse verhackstückt wurde. Aber bitte – da ich mich tatsächlich über das Verhandlungsergebnis unserer Regierung mir den Hamburger Nachbarn freue, sage ich erfreut: Das hat Frau Ernst gut gemacht. Endlich soll es ab 2017 eine praktisch freie Schulwahl zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg geben. Unbefristet und vor allem zur Zufriedenheit der Familien. Das neue Gastschulabkommen sieht vor, dass nach der vierten und nach der zehnten Klasse über die Bundeslandgrenze gewechselt werden kann auf die persönliche Wunschschule, sofern damit kein Wechsel der Schulart einhergeht. Dieser soll die Ausnahme bleiben.
Trotzdem ist das ein Erfolg, zu dem ich gerne gratuliere.

Schluss mit Scheinadressen und Mogeleien – mehr Ehrlichkeit und Transparenz -w er sollte dazu ‚NEIN‘ sagen?
Alles in Butter ist damit aber noch nicht. Wie die Schülerströme wirklich fließen, wie häufig die Landeskinderklausel wird greifen müssen und wie es denen geht, die dann ggf. abgewiesen werden, weil eine besonders attraktive Schule gleichsam ‚überrannt‘ wird, wissen wir noch nicht.
Wir kommen damit zu einem Kernproblem, das die Schulpolitik leider prägt.
Eltern wollen für ihre Kinder die beste Schule und Schule stehen in einem Wettbewerb. Wo ist die Ausstattung besonders gut? Wo gibt es interessante pädagogische Modelle? Wo ist die Ganztagsbetreuung Normalität? – Ich will hier gar kein Wasser in den Wein geben, aber wenn wir uns so über die freie Schulwahl nach Hamburg freuen, müssen wir uns auch fragen, warum das nicht immer ganz frei in den anderen Teilen Schleswig-Holsteins ist. Da wird – ich hatte es im Bildungsausschuss thematisiert – über die Schülerbeförderungskosten nicht selten ein Schülerstrom künstlich gelenkt, damit die Kinder eben nicht zur attraktiven Gemeinschaftsschule im Nachbarkreis gehen, sondern sich am wohnortnahen Gymnasium versuchen müssen, weil die Schülerbeförderungskosten über die Kreisgrenze mal sehr wohl – dann aber wieder nicht gewährt werden. Auch das hat etwas mit freier Schulwahl zu tun und auch darüber müssen wir reden, wenn wir über die Freiheit der Bildung in unserem Land sprechen.

Und wir müssen abwarten, wie sich die neue Freiheit auf die Oberstufen in unserem Land auswirken. Wechseln dann mehr Schüler zu den vermeintlich attraktiveren Modellen nach Hamburg, weil sie dort mehr Auswahl haben und sich interessantere Profile ergeben, wie der sh:z berichtet?! Wir werden uns die Zahlen dazu sehr genau ansehen müssen, um abzuschätzen, was das Abkommen wir die Schullandschaft bedeutet und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind.
Der Ministerin danke ich heute für die Verhandlungen, das Ergebnis und den heutigen Bericht.

About 

0 Comments

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *