Sven Krumbeck Blog

Rede zur Entwicklung einer OER Strategie

46. Sitzung des Landtags – Mittwoch, 12. Oktober 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bevor wir morgen über die Zukunft der Wissenschaft sprechen, möchte ich heute mit Ihnen über die Zukunft der Bildung sprechen. Bildung ist, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, wissen, die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe an unserer Gesellschaft. Sie ist unser wertvollstes Gut und sie ist unser Aushängeschild. Mit Bildung gestalten wir gesellschaftliche Strukturen – und unsere Gesellschaft wiederum gestaltet unsere Bildung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist wieder an der Zeit, unser Bildungssystem bewusst zu gestalten.

Ganz von vorne beginnen, müssen wir nicht. Die Bildungsministerin hat die Zeichen der Zeit erkannt, digitale Bildung steht auf ihrer Agenda, das begrüßen wir PIRATEN sehr. Die Modellschulen „Digitales Lernen“ erfreuen sich großer Beliebtheit, die Einführung von digitalen Medien an Schulen in unserem Bundesland ist auf einem guten Weg. Das reicht aber noch nicht, um die Schülerinnen und Schüler angemessen auf unsere mittlerweile stark technisierte und digitalisierte Gesellschaft vorzubereiten. Wenn wir national und international mithalten, unseren Kindern die bestmögliche Ausbildung mit auf den Weg geben wollen und wenn wir im Bereich der Weiterbildung innovativ sein wollen, dann müssen wir etwas leisten, dass die Landesregierung in ihrer Antwort auf die Große Anfrage der PIRATEN zur Entwicklung einer OER-Strategie als „Kulturwandel“ bezeichnet hat.

Die Landesregierung bezieht sich hier auf den kollegialen Umgang zwischen den Lehrenden, der sich durch die Arbeit mit OER verändern kann. Eine gute Beobachtung, eine wichtige Beobachtung der Landesregierung. Ja, der Austausch zwischen Lehrkräften wird sich durch die gemeinsame Erarbeitung und Bearbeitung von frei zugänglichen Bildungsmaterialien verändern. Er wird sich aber auch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern ändern sowie unter Schülerinnen und Schülern selbst. Und nicht zuletzt wird sich die Art und Weise des Unterrichts ändern. Durch den flexiblen Einsatz von Bildern, Filmen, Präsentationen und Büchern können Unterrichtsstunden interaktiv gestaltet werden. Wissen wird nicht mehr von einer allwissenden, unnahbaren Instanz vermittelt, vielmehr wird die Lehrkraft zum vertrauensvollen Lernbegleiter. Frontalunterrichtszeiten sind dann passé – zu Gunsten der Schülerinnen und Schüler. Blogs, eigene Lernvideos und neue Online-Plattformen können durch OER einfach und offen gestaltet werden, Schülerinnen und Schüler lernen, eigenverantwortlich zu arbeiten – und sie lernen, durch die Verwendung von digitalen Medien an den Schulen kritisch und reflektiert mit der Digitalisierung umzugehen.

Auch im Bereich der Weiterbildung sieht die Landesregierung ein erhebliches Potenzial – das sehen wir genauso. Berufliche Weiterbildung sowie lebenslanges Lernen sollte immer auf dem aktuellsten Stand der bildungspolitischen Entwicklung sein. Denn Medienkompetenz geht nicht nur Lehrer und Schüler etwas an, Medienkompetenz geht jeden etwas an, der in unserer Gesellschaft beruflich Fuß fassen und in seinem Beruf dauerhaft erfolgreich sein will.

Das alles ist ja schön und gut, werden Sie nun wohl einwerfen. Aber was ist mit der urheberrechtlichen Komponente? Uns PIRATEN ist bewusst, dass das Urheberrecht in Deutschland nicht nur historisch verankert, sondern für viele unumstößlich ist. Hier empfehlen wir PIRATEN schon seit Längerem einen Blick nach Großbritannien oder in die USA zu werfen, wo das Fair-Use-Prinzip genutzt wird. Beim Fair-Use-Prinzip kann urheberrechtlich geschütztes Material auch ohne Zustimmung des Urheberrechtsinhabers genutzt werden – wenn es etwa der Bildung oder Weiterbildung dient. Eine Lockerung des deutschen Urheberrechts hin zu einer angemessenen Verwendung und einem geschützten Austausch von Lehrmaterialien innerhalb dafür vorgesehener Medienpools kann nur eine Bereicherung sein – für alle Seiten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, OER ist kein neuer Zugang zu Bildung, es ist ein erweiterter Zugang. Durch den bereits existierenden Medienpool der IQSH, die Kommunikationsplattform SchulCommSy und die Zusammenarbeit der Landesregierung mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung sowie dem Partner oncampus GmbH haben wir eine solide Basis, auf die wir aufbauen können. Lassen Sie uns die Zukunft der Bildung gemeinsam gestalten, geben Sie OER Inhalt – aussprechen müssen Sie den Begriff ja nicht.

Zum Schluss möchte ich noch eine Sache in Erinnerung rufen: Die Landesregierung sieht in ihrer Antwort auf unsere Große Anfrage die Verwendung von OER als „zukunftsweisende Möglichkeit“ für die Hochschulen in unserem Land. Das, liebes Plenum, sollte morgen nicht vergessen werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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