Sven Krumbeck Blog

Rede zur Entwicklung der neugeschaffenen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen

46. Sitzung des Landtags – Freitag, 14. Oktober 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mehr Jugendliche in Schleswig-Holstein sollen zum Abitur ermutigt werden. Das ist ein guter Ansatz, liebe Koalition, es ist aber auch ein idealer Ansatz. Dass es an der Umsetzung allzu sehr hapert, kann man ja nun an Ihrem Projekt sehen: Da zieht sich nämlich eine Bildungs-Schneise durch Schleswig-Holstein. Von Herzogtum Lauenburg bis Bad Segeberg verteilen sich die neuen Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen nahezu gleichmäßig – alles, was darüber liegt, wurde bisher allerdings eher ignoriert. Sollen die Gemeinschaftsschülerinnen und -schüler oberhalb des Kreises Rendsburg-Eckernförde etwa keine flächendeckende Chance erhalten, die Oberstufe an ihrer eigenen Schule besuchen zu dürfen, liebe Koalition?

Und – wo ist das öffentliche Bedürfnis, von dem Sie vor drei Jahren noch ausgegangen sind? Die permanente Unterschreitung der Mindestanzahl von Schülerinnen und Schülern bei der Mehrheit der neugeschaffenen Oberstufen an Gemeinschaftsschulen zeigt ein anderes Bild.

Auch die aktuellen Anmeldezahlen an den neuen Gemeinschaftsschul-Oberstufen, die Kollegin Klahn bei der Landesregierung erfragt hat, bestätigen dies. Zwar liegen derzeit nur noch fünf neue Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen unter dem Richtwert von 50 Schülerinnen und Schülern in der Einführungsphase – sechs Schulen von insgesamt 17 aufgelisteten schaffen es aber gerade so über die 50er Marke. Soll das in den nächsten Jahren so weitergehen? Das permanente Kratzen einer Mindestanzahl?

Natürlich muss der Weg zum Abitur auch für Schülerinnen und Schüler von Gemeinschaftsschulen möglich sein. Je einfacher der Zugang, desto besser. Der Grundgedanke, ein Angebot in Wohnortnähe zu schaffen, ist ein eherner. Wenn aber die Oberstufen an Gemeinschaftsschulen so klein sind, dass nicht einmal die geforderte Profil-Vielfalt angeboten werden kann und wenn Lehrkräfte von anderen Schulen eingesetzt werden müssen, um überhaupt Unterricht gewährleisten zu können, dann muss über Ihr Modell, liebe Koalition, noch einmal gründlich nachgedacht werden.

Statt wahllos neue Mini-Oberstufen zu schaffen, die nur Luxusprodukte darstellen, weil sie wertvolles Lehrpersonal verschwenden, sollte man sich lieber darauf besinnen, mehr mit den RBZ und den bereits etablierten Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen zusammenzuarbeiten. Durch eine bessere Koordination und entsprechende Werbung an den Schulen können Jugendliche auf die schulischen Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden. Außerdem können Lehrerinnen und Lehrer dann dort eingesetzt werden, wo sie sonst fehlen würden: an den bereits etablierten Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen.

Vielen Dank.

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