Sven Krumbeck Blog

Rede zum Kulturbericht und zum Programm „Schule trifft Kultur – Kultur trifft Schule“

47. Sitzung des Landtags – Mittwoch, 16. November 2016

Sehr geehrter Herr Präsident,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vielen Dank für diese Bestandsaufnahme, liebe Frau Ministerin. Mit Ihrem Kulturkonzept haben Sie Schleswig-Holstein kulturell und touristisch auf einen guten Weg gebracht,
darauf kann eindeutig aufgebaut werden.
Die 20 Millionen Euro vom Bund zeigen auch,
dass sich die Mühe lohnt – und das hoffentlich weitere Investitionen folgen werden.
Trotzdem muss hier auch Platz für Kritik sein.
Denn nicht alles läuft rund in der hiesigen Kulturlandschaft.

„Kultur ist kein Sparobjekt, nichts, womit man irgendeinen öffentlichen Haushalt sanieren kann“ – das sagte Generalintendant Peter Grisebach 2012 in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur als die Spielstätte in Schleswig gerade dabei war, langsam aber sicher in der Schlei zu versinken. Seit Juni 2011 ist die Spielstätte geschlossen, bis heute gibt es keine neue Heimat für das Theater. Dies entspricht – im Übrigen – der Länge einer Legislaturperiode.

Kürzlich las ich in den Kieler Nachrichten, dass die Stadt eine neue Idee habe, sie plane jetzt einen Anbau an das ehemalige Mannschaftsheim der Bundeswehr. Und das Kulturministerium zeige sich „gesprächsbereit“. Darin setzen die Schleswiger jetzt ihre Hoffnungen. In die Gesprächsbereitschaft des Ministeriums. Man hat ja leider gesehen, was das bei der Neulandhalle bedeutete.

Liebe Frau Spoorendonk, Schleswig braucht ein Theater und
Schleswig-Holstein als Flächenland braucht ein intaktes Landestheater.

Ob jetzt dieses oder jenes Gebäude als Spielstätte geeignet ist, ist doch mittlerweile wirklich zweitrangig.

Kultur ist ein Grundbedürfnis – so abgedroschen das inzwischen klingen mag. Man muss es aber anscheinend immer wieder aufs Neue betonen. Zwar pflegt das Land fast vorbildlich seine Denkmäler und baut seine Gedenkstätten aus.
Das ist aber nur eine Seite der Medaille.
Kultur bedeutet nicht nur, das Vergangene zu inventarisieren und zu bewahren. Kultur bedeutet auch, mit der Gegenwart zu interagieren und
Zukunftsentwürfe zu entwickeln. Und: Kultur bedeutet Freiheit. Wenn aber Projekte so stark eingedämmt werden,
dass sie ein Leben in der Stagnation führen müssen, so lange, bis sich diese Projekte von selbst erledigt haben, dann sind die Voraussetzungen für künstlerische und kulturelle Freiheit eindeutig nicht gegeben.

So zäh die Entwicklungen beim Theater- und Gedenkstättenkonzept sind, so erfrischend war es, als die Ministerin verkündete, die Ergebnisse des Kulturdialogs auch politisch umsetzen zu wollen.
Allen voran die Kulturknotenpunkte, die Einrichtungen und Kulturschaffende besser vernetzen sollen. Zwar wird es noch einige Zeit dauern, bis eine engmaschige Vernetzung gegeben ist. Sechs Kulturknotenpunkte sind zwar eine Anerkennung wert, für ein Bundesland mit elf Kreisen und vier kreisfreien Städten aber eigentlich noch nicht vorzeigbar. Trotzdem bin ich gespannt auf den weiteren Fortgang.

Die Entwicklung des Digitalen Landesarchivs bewerten wir PIRATEN als positiv, sehen aber noch Ausbaupotenzial. Auch bei der digitalen Ausstattung der Gedenkstätten ist noch Luft nach oben.

Mit dem Programm „Kultur trifft Schule – Schule trifft Kultur“ wiederum wurde ein Schritt gemacht, den ich auch aus bildungspolitischer Sicht sehr begrüße.
Ich wünsche mir, dass die kulturelle Bildung zukünftig wirklich der allgemeinen Bildung gleichstellt sein wird. Ich wünsche mir auch, dass Kulturschaffende für ihre Arbeit angemessen entlohnt werden und dass Kinder und Jugendliche den Konzertbesuch, die Bastelstunde oder die Teilnahme an einem Filmprojekt nicht mehr als „On the top“ verstehen, sondern als Selbstverständlichkeit im schulischen Alltag.
Dafür müsste auch viel mehr in die bereits bestehenden Projekte wie etwa die Schulkinowoche investiert werden. Denn wie aus dem Kulturbericht hervorgeht, hat sich die Fördersumme für solche essentiellen Bündnisse seit 2013 nicht erhöht.

Kultur alltäglich machen: Das sollte im Endeffekt das Ziel jeder Kulturförderung sein. Die Landesregierung hat hier – trotz aller Kritik – einen guten Weg eingeschlagen. Das sieht man auch an den Investitionen, die sie in den letzten drei Jahren getätigt hat.

Nur das mit dem Hin und Her in Schleswig sollte langsam mal beendet werden, liebe Frau Spoorendonk. Denn kein Theatermacher arbeitet gern auf wackligen Brettern – die dann auch noch die Welt bedeuten sollen.

Vielen Dank.


Zum TOP:
https://www.landtag.ltsh.de/plenumonline/archiv/wp18/47/debatten/13_37.html

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