Veranstaltung ESport: Sport vorm Bildschirm oder doch nur nerdiges Hobby?

Am 07.03.2018 veranstaltete Rasmus Andresen von der Grünen Fraktion im Landtag eine Veranstaltung zum Thema eSports im Landtag. Neben dem Landtagsvizepräsidenten Rasmus selbst waren folgende  Gäste geladen:

  • Daniel von Busse (Sport1)
  • Thomas Bjørn-Lüthi (Cross Border Esport S/I, Sønderborg)
  • Julia Seifert (IF (game) SH;)
  • Carsten Bauer (Sportjugend SH)

Eröffnet wurde die Debatte mit einem Statement von Daniel von Busse, der für die Anwesenden den eSport-Begriff einordnete und mit ein paar Zahlen und Statistiken unterfütterte. Außerdem legte er da, mit welchen Absichten und Zielgruppen Sport1 in die eSport-Berichterstattung eingestiegen ist und auf welche Spiele sie sich fokussieren. Die größten Erfolge erzielt Sport1 mit Fifa und Leage of Legends. Ausgelassen werden jedoch sämtliche Shooter, weil Herr Busse diese für gewaltverherrlichend hält und trotz der großen Nachfrage nicht aussenden möchte.  Sport1 übertragt primär vorhanden eSport-Events wie die Virtuelle Bundesliga oder die ESL One in Hamburg. Dabei haben sie ein Redaktionsteam mit eigenen Kommentatoren aufgebaut, um die mitunter komplexen Taktiken in MoBas (multiplayer online battle arena) wie League of Legends oder DoTa besser für den Zuschauer erklären zu können.

Der nächste Beitrag von Thomas Bjørn-Lüthi führte uns kurz hinter die Grenze nach Dänemark. Dort ist man mit dem eSport schon eine ganze Ecke weiter. Auch wenn es dort noch Widerstände aus der Politik gibt, existieren bereits flächendeckende Lokale eSport-Klubs, die dort teilweise sogar in den dänischen Equivalent ded Jugendtreffs angesiedelt sind.  Es werden Netzwerke gebildet und durch ein Coaching-System gezielt junge Leute an den eSport herangeführt. Auch das Equipment wird gestellt, um einen einfachen Zugang zu ermöglichen. Das Ganze mündet in einer Online-Liga, die ihr Finale in Sonderburg austrägt. Dort werden vier verschiedene Lokation in der Stadt gemietet, unter anderem die Burg der Stadt mit ihrem Rittersaal. Bis zu 3.000 Zuschauer sind live im „Stadium“ dabei und werden von bis zu 5.5 Millionen Zuschauern online ergänzt. Die ganze Aufmerksamkeit wird genutzt, um gezielt Werbung für die Stadt Sonderburg zu machen, und es haben schon andere Städte Werbeplätze auf der Veranstaltung angefragt, weil dort die junge Zielgruppe so gut zu erreichen ist.

Julia Seifert warb in ihrem Beitrag für die Aufkommende Indie-Szene in Schleswig-Holstein. Großartige eSport-Spiele wie Players Unknow Battle Ground seien aus der Indie-Szene entstanden. Deswegen sei es sehr wichtig die Entwicklung von Spielen zu fördern, weil ansonsten die frisch ausgebildeten Fachkräfte von den Hochschulen in Schleswig-Holstein das Land mangels Perspektive wieder verlassen. Die Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut sei ein wichtiger Schritt, der unbedingt vollzogen werden müsse. Daran hingen viele Förderungen und auch die Ankerkennung im öffentlichen Raum, an dem auch der eSport noch Arbeiten müsse. Von 3,3 Milliarden Euro Umsatz, den Computerspiele in Deutschland erzielen, kommen bei den Entwicklern nur 4 Millionen Euro an Förderung an. Dabei werden für jeden Euro Förderung, 1,80€ Steuereinnahmen und 8€ zusätzliche Investitionen erzielt.

Als letzter Sprecher kam noch Carsten Bauer von der Sportjugend zu Wort. Er definierte seinen Begriff von Sport, worunter beispielweise Wrestling nicht Falle aber eSport unter bestimmten Bedingungen. Es gäbe eine sportliche,  eine inhaltliche und eine strukturelle Ebene, auf denen über das Thema diskutiert werden müsse. Sportlich wäre der Wettbewerbscharakter gegeben; Turniere und ähnliches fänden statt. Auf der Inhaltlichen Ebene wäre das Problem, dass Sport eigentlich Bottom-Up funktioniere und die Sportverbände gemeinsam demokratisch die Regeln für ihren Sport festlegen würden. Wohingegen bei eSport ein Top-Down herrsche und die Publisher im Alleingang Regeln für ihre Spiele festlegen würden. Er wünsche sich ein unabhängiges, manipulationsfreies Regelwerk für den eSport, welches auch gegen Cheaten vorgehen solle. Außerdem wäre es wichtig, einen breiten Zugang zum Sport zu ermöglichen. Er fände es problematisch, dass für eSport teure Spitzenrechner benötigt würden und das bestimmte Spiele erst ab 18 wären und damit junge Spieler ausgeschlossen werden. Das würde im normalen Sport niemals der Fall sein.

Am Ende der Veranstaltung folge noch eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum, es wurden folgende Themen diskutiert:

  • eSport und die Rolle in der Gesellschaft
  • Rolle des eSports in Sportvereinen
  • eSport bei großen Fußballvereinen
  • Unterschiedliche Zugänglichkeiten bei unterschiedlichen Sportarten
  • Rechte von Streamerinnen und Streamern
  • Datenschutz in Computerspielen
  • Gewalt in Computerspielen
  • Fördergelder
  • und vieles mehr

Mein Fazit der Veranstaltung:

Wir stehen in der Diskussion noch ganz am Anfang. Während in Berlin, Hamburg oder Köln die Diskussion schon viel weiter ist und es nicht mehr um die Frage geht, ob eSport ein Sport ist oder nicht, sondern darum, was man aus der Realität von vielen Jugendlichen macht. Denn eSport ist schon groß und längst ein Massenphänomen, egal wie skeptisch die Sportverbände sind oder nicht. Auch dass die uralten „Ballerspiel“-Diskussionen wieder etwas aufgeflammt ist, hat mich etwas enttäuscht.  Auch heute entscheiden die Spieler, was sie spielen wollen und es sollte nicht an irgendwelchen Einzelmeinungen hängen, ob das angeblich Gewaltverherrlichung ist oder nicht. Man schafft damit unnötig guten und schlechten eSport und das geht weit an der Realität der Spielenden vorbei. Wir müssen in Schleswig Holstein nicht über das Ob sondern über das Wie Diskutieren. Rasmus Andresen hat in seinem Fazit angesprochen, worauf es ankommt: eSport muss in die Förderpläne aufgenommen werden. Es müssen Breitenwirkungen im Jugendbereich aufgebaut werden und Nachwuchsförderung betrieben werden. Die Aufnahme von eSport in den Sportentwicklungsplan darf nur der erste Schritt von vielen sein. Gerade in einer Stadt wie Kiel birgt der Esport viele Perspektiven, denn er bringt Leute aus den verschiedensten Sozialen Schichten zusammen. Kiel könnte sich mit Aktiver Jugendarbeit und Förderung von Lokalen Esport Vereinen eine Leuchtturm Positionen für ganz Schleswig-Holstein und darüber hinaus erarbeiten.

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